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Bedenken gegenüber Griechenland und Lob für den Reformwillen in der Ukraine: Wie der Internationale Währungsfonds die Welt sieht

Die USA, Großbritannien und Indien allein, das reicht nicht aus, um die Welt wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Eine Warnung, ausgesprochen vom

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Bedenken gegenüber Griechenland und Lob für den Reformwillen in der Ukraine: Wie der Internationale Währungsfonds die Welt sieht

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Die USA, Großbritannien und Indien allein, das reicht nicht aus, um die Welt wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Eine Warnung, ausgesprochen vom Internationalen Währungsfonds. Dessen Voraussage für das globale Wachstum für dieses Jahr liegt bei 3,5 Prozent. Für IWF-Chefin Christine Lagarde eine mittelmäßige Zahl, ihr reicht das nicht.

Der Abschwung in Schwellenländern steht dieser Voraussage jedoch entgegen, vor allem in Lateinamerika, das sich im vierten Jahr einer Wachstumsverlangsamung, mit erwarteten kaum 0,9 Prozent, befindet. Christine Lagarde: “Brasilien beispielsweise bleibt schwach, mit einer Wachstumsprognose, die in diesem Jahr leicht negativ sein wird. China wird langsamer, ich denke, da gibt es einen begrenzten Ansatz, das ist durch die Politik determiniert. Russland geht es nicht gut, das ist aus offensichtlichen Gründen ‘negatives Territorium’, wegen der Öl-Sanktionen und solcher Dinge.”

Lagarde unterstrich, dass die Wunden der Finanzkrise in einem großen Teil der Welt noch nicht verheilt sind. Aber es gibt auch Lichtblicke: “Die makroökonomischen Risiken sind zurückgegangen. Es gibt noch Risiken. Aber wenn man sich die Lichtblicke anschaut, dann sieht man, dass die US-Wirtschaft sich recht stark erholt. Sie erholt sich ziemlich stark, und die positiven Signale sind recht erfreulich. Wir sehen, dass in Europa Großbritannien sehr stark ist.”

Auch im Hinblick auf die Eurozone sieht Lagarde positive Signale. Allerdings warnt sie davor, dass das nur an der expansiven Geldpolitik liegen könnte. Im dem vergangenen Monaten haben mehr als zwölf Zentralbanken ihre Geldpolitik gelockert, um die Wirtschaft ihrer Länder anzukurbeln und die Deflation zu bekämpfen. “Die Eurozone zeigt ebenfalls Anzeichen der Erholung – und zwar bessere, als wir es kürzlich noch gesehen haben. Japan kommt aus einer leichten Rezession heraus und sieht einem gewissen Wachstum entgegen”, so Lagarde.

In Griechenland sollte, so die IWF-Chefin, die Regierung daran arbeiten, die wirtschafltliche Stabilität des Landes wieder herzustellen:
“Derzeit geschieht das dadurch, dass man sich an Reformen hält, man wird sehen, wohin sie führen. Das ist die mühselige Arbeit der Finanzminister, wo immer sie sein mögen, in den Geberländern.”

Auf die Frage nach einem eventuellen Schuldenaufschub für Griechenland antwortete Lagarde ganz einfach, dass der Internationale Währeungsfonds seit 30 Jahren selbst Entwicklungsländern etwas derartiges nicht gewährt habe.

IWf-Vize Lipton: “Es gibt Wege, weitere Finanzierungen für Griechenland bereit zu stellen”

Für euronews sprach Stefan Grobe mit Christine Lagardes Stellvertreter.

Stefan Grobe, euronews: “Wir sind im Hauptsitz des Internationalen Währungsfonds in Washington. Wir treffen David Lipton, den stellvertretenden Direktor des IWF. Danke, dass Sie bei uns sind. Lassen Sie mich mit einer Frage nach der Weltwirtschaft beginnen. Das Wachstum bleibt langsam, weil es noch erhebliche Risiken gibt. Dazu gehören hohe Schulden, hohe Arbeitslosigkeit und zögerliche Investitionen. Und außerdem die weltweite Unsicherheit. Wir erleben Gewalt, Bürgerkriege und Terrorismus im Nahen Osten, in Afrika, in der Ukraine. Bis zu welchem Grad bedroht das den globalen Aufschwung?”

David Lipton: “Wir befinden uns in einer Situation, in der an mehr Brennpunkten auf der Welt die Sicherheit bedroht wird, als es lange Zeit zuvor der Fall war – vielleicht sogar während einer ganzen Generation. Aber ich denke, all diese Vorfälle haben noch keine Auswirkungen gezeigt, die wir als ‘global’ bezeichnen könnten. Es gibt regionale Folgen, ob das der Konflikt in der Ukraine ist oder der Nahe Osten. Wir stellen aber noch keine globalen Folgen fest.”

euronews: “Wir beurteilen Sie die Lage in Europa?”

Lipton: “Europa hat die Rezession überwunden, in der Eurozone gibt es wieder Wachstum. Das liegt teils an den Folgen des sehr starken und nützlichen Verfalls des Ölpreises. Aber es liegt auch an den Maßnahmen, die zur Stüzung der Wirtschaft ergriffen wurden, etwa durch die Europäische Zentralbank. Das ist eine Zeit der guten Gelegenheiten, wenn Europa seine Bemühungen zur Stützungen des Wachstums heute und morgen intensiviert, dann, so denke ich, kann das zu einer viel besseren Zukunft führen.”

euronews: “Ich möchte Sie nach Griechenland fragen. Niemand weiss wirklich, wann dem Land das Geld ausgeht. Die meisten schätzen: bald. Die Verhandlungen zwischen den Gläubigern und Griechenland zeigen keinerlei Fortschritt, viele sehen die Schuld dafür bei den Griechen. Der IWF ist Teil dieses Prozesses. Was ist Ihre Botschaft an die griechische Regierung?”

Lipton: “Wenn wir unseren Dialog mit ihnen fortsetzen und intensivieren und zu einem Abkommen über die Politik der Regierung finden, die dazu führt, die Probleme zu lösen, dann gibt es Wege, weitere Finanzierungen bereit zu stellen, die die drohende Krise bei der Zahlungsfähigkeit verringern könnten. Wir legen damit nicht nahe, dass sie die Probleme Griechenlands genauso wie die Vorgängerregierung angehen sollten. Sie haben einen neuen Ansatz. Aber wir müssen wissen, für welches Vorgehen sie sich entscheiden und was sie der Welt, dem IWF und den Mitgliedsstaaten wirklich im Detail vorschlagen, damit diese sich beruhigt sehen und das Problem weiter angehen können.”

euronews: “Zum Schluss die Ukraine: Der IWF hat einer frischen Finanzierung von 17 Milliarden Dollar für die Ukraine zugestimmt. Kritiker sagen, dass der IWF gutes Geld einem Risiko aussetzt, weil die ukrainische Regierung es im Kampf gegen die Korruption und im Hinblick auf Reformen nicht ernst meint. Was sagen Sie diesen Kritikern?”

Lipton: “Die ukrainische Regierung ist sehr Reform-orientiert. Es gibt Länder, in denen wir die Regierungen unter Druck setzen müssen, damit sie Reformen umsetzen. Diese Regierung zeigt sich beflissen, Reformen umzusetzen. Sie sehen die Herausforderung und Bedrohung für ihr Land. Sie wissen, dass es eine Geschichte von zu vielen gescheiterten Reformbestrebungen und Enttäuschungen gibt. Auch die Bevölkerung ist angesichts der Herausforderungen, vor denen ihr Land steht, bereit, Reformen zu akzeptieren. Sie sind bereit, voranzukommen. Also versuchen wir zu helfen.”