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Gazprom-Chef kommt nach Athen - ohne Scheckbuch

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Gazprom-Chef kommt nach Athen - ohne Scheckbuch

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Athen und Moskau wollen künftig im Bereich Energie enger kooperieren. Aus diesem Grund kam der Chef des russischen Staatsmonopolisten Gazprom, Alexej Miller, mit Vertretern der griechischen Regierung zusammen. Gesprächsthema Nummer eins: Die mögliche Erweiterung der geplanten Gas-Pipeline “Turkish Stream” auf griechischem Boden. Athen hofft auf Energie-Milliarden aus Russland und niedrigere Gaspreise.

Von Vorschussgerüchten war allerdings hinterher nicht mehr die Rede. Aus dem Umfeld der griechischen Regierung war vergangene Woche wiederholt an die Presse durchgesickert, Moskau sei bereit, als eine Art Vorschuss für künftige Transitgebühren für die geplante Erdgas-Pipeline bereits jetzt drei bis fünf Milliarden Euro zu zahlen.

Alexej Miller, Vorstandschef Gazprom:

“Dieses Projekt kann über ein russisch-europäisches Konsortium realisiert werden, auch einige europäische Unternehmen interessieren sich für “Turkish Stream”. Dieses Projekt wird ausschließlich im Rahmen der europäischen Gesetzgebung umgesetzt. Ich möchte dazu sagen, dass die Gesetze der EU für uns nie ein Problem waren.”

Das “Turkish Stream”-Gasprojekt soll von Russland durch das Schwarze Meer, über die Türkei, Griechenland durch ein Stück Mittelmeer nach Süditalien führen. Ein Arm bis nach Österreich ist angedacht. Wegen des Widerstandes der EU-Kommission gegen eine Doppelrolle von Gazprom als Lieferant/Netzbetreiber hatte Präsident Wladimir Putin den Bau der South Stream nach Bulgarien Ende vergangenen Jahres abgesagt.

Überschattet wurden die Gespräche von den massiven Finanzproblemen des seit 2010 nur mit internationaler Hilfe vor der Pleite bewahrten Landes.

Symela Touchtidou, euronews:

“Die griechische Regierung braucht dringend Geld und ist entschlossen, jede denkbare Quelle anzuzapfen …”

Gut zwei Milliarden Euro an Kreditrückzahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) werden in den Wochen nach dem Eurogruppen-Treffen am 24.April fällig – dazu Gehälter für den Öffentlichen Dienst und Sozialleistungen.

Konstantinos Filis, Leiter des Instituts für Internationale Beziehungen:

“Es wäre beispiellos für die russische Seite, im Voraus für ein so unsicheres Projekt Geld zu zahlen, das von einer Umsetzung weit, weit entfernt ist. … und wenn Russland Geld gibt, dann kann man Gift darauf nehmen, dass es dafür Gegenleistungen haben will.”

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem nach der neusten Wendung mit Galgenhumor: Eine Vereinbarung zwischen Griechenland und den Europartnern sei bis Ende April immer noch möglich, “notfalls nehmen wir ein paar Extra-Wochen.”

su mit dpa, Reuters