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Libyen: Sprungbrett nach Europa

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Libyen: Sprungbrett nach Europa

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Libyen war schon immer ein Sprungbrett nach Europa. Doch bis zu seinem Fall hatte Diktator Muammar al-Gaddafi gegen gutes Geld die Türen größtenteils verschlossen gehalten. Jetzt herrscht Krieg in Libyen, die Grenzen sind durchlässig, es ist leicht ins Land zu gelangen – und von dort aus sein Leben auf dem Mittelmeer zu riskieren. Der Menschenhandel macht nach Angaben des italienischen Außenministers Paolo Gentiloni 10 Prozent des libyschen Bruttoinlandsproduktes aus, wenn man davon überhaupt noch reden kann. Das meiste davon fließe an Milizien und Terrorgruppen, heisst es. Die Routen sind gut ausgebaut.

“Wenn man einen schnellen Wagen hat”, sagt ein Flüchtling aus Niger, “braucht man drei Tage von Arlit bis hierher. Es kommt auf die Straßen an.” Die Hauptrouten beginnen in Mali, Niger und in Somalia. Von dort aus geht es an die libysche Küste, der Ausgangspunkt für die so oft tödliche Überfahrt nach Europa, häufig zunächst nach Lampedusa, Sizilien oder Malta. Libyen ist längst nicht mehr das Ziel. Wegen der Gewalt ist die Wirtschaft ruiniert. Die Migranten wollen nach Europa, wie dieser Mann aus Gambia: “Ich habe in Libyen gearbeitet. Dann wurde es aber sehr schwierig, wie ich finde. Auch zu arbeiten wurde schwer. Also habe ich micht entschieden, das Risiko einzugehen und herzukommen.”

Die Gewalt ist allgegenwärtig in Libyen, mehrere bewaffnete Gruppen kämpfen um die Vorherrschaft im Land. Auf der einen Seite als “regulär” bezeichnete Armee des umstrittenen Generals Khalifa Haftar, die für die Regierung in Tobruk kämpft. Dann gibt es noch die islamistischen Kräfte von Majlis al-Shura und Zuar aus Benghazi. Das Land hat den Übergang zur Demokratie nicht bewältigt, es gibt zwei rivalisierende Regierungen in Libyen. Die in Tobruk wird von der internationalen Gemeinschaft anerkannt, Saudi-Arabien und Ägypten unterstützen sie. In der Hauptstadt Tripolis hat eine Rebellenregierung die Macht übernommen, die die Regierung in Tobruk nicht anerkennt.

Die Vereinten Nationen suchen nach Versöhnungsmöglichkeiten. Das könnte etwa ein Parlament aus zwei Kammern sein, mit einer Nationalversammlung inTobruk und einem Senat in Tripolis. Doch bislang sind die Bemühungen des UN-Gesandten in Libyen, Bernadino Leon, erfolglos geblieben. In dieser chaotischen Situation gedeihen Terrorgruppen, vor allem al-Qaida im Islamischen Maghreb und seit Neuestem auch der selbsternannte, sogenannte “Islamische Staat”, der sich kürzlich erst zu einer Serie von Anschlägen auf Botschaften in Tripolis bekannt hat.