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Fünf Jahre: Griechenland und seine hilflosen Helfer

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Fünf Jahre: Griechenland und seine hilflosen Helfer

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Hinter sich die weißen Häuschen der Hafenpromenade des Inselchens Kastellorizo – die türkische Küste in Sichtweite – hier bat der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou den Rest der EU um Hilfe gegen den drohenden Staatsbankrott, vor genau fünf Jahren. Im Gegenzug sagte Griechenland Spar- und Konsolidierungsbemühungen zu.

Fünf Jahre und zwei Rettungsprogramme über 240 Milliarden Euro später ist das Land mit etwa 180 Prozent der Wirtschaftsleistung verschuldet – das Dreifache der roten Maastrichtlinie: Jeder Grieche müßte eineinhalb durchschnittliche Jahresgehälter abliefern, um auf Null zu kommen – auch Kinder und Greise.

Ein Vorschuss an Altersweisheit aus Athen:

Dafni Georgiopoulo (64):

“Unser Leben ist viel schwieriger geworden, und wie Sie sehen, bin ich ziemlich alt, mein Mann ist Rentner und wir haben kein gutes Leben, überhaupt nicht. Wir können nichts tun, aber diejenigen, die an der Macht sind, müssen eine Lösung finden für das griechische Volk, weil die Dinge nicht gut laufen.”

Sotiris Prentzas, (60), Rentner:

“Für die Menschen in Griechenland ist die Lage echt schwierig. Verantwortlich sind wir alle: die regiert haben, das Volk und die Europäer.”

Wirtschaftsexperten sagen Ähnliches mit komplizierteren Worten – die Szenarien reichen von Weiterwursteln bis zum Grexit – einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Dem Land ist es auch unter Druck nicht gelungen, die Krise zu überwinden, die Vetternwirtschaft zu besiegen und die Wirtschaft zu modernisieren. Und selbst wenn die aktuell umstrittene Hilfstranche ausbezahlt wird, fehlen in den kommenden drei Jahren angeblich weitere 30 Milliarden Euro, (Commerzbank).

Wenigstens Finanzminister Yanis Varoufakis lässt sich nicht entmutigen. Rücktrittsgerüchte amüsierten ihn, twitterte er Ende März. Und, ein paar Tage später: “April, April, an alle.”

Sigrid Ulrich mit Reuters