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Saint George's Day: sieben Gerüchte, sieben Wahrheiten über England

Am 23. April feiert England den Todestag des Heiligen Georg. Der Heilige aus Palästina, der um das dritte Jahrhundert nach Christus einen Drachen

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Saint George's Day: sieben Gerüchte, sieben Wahrheiten über England

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Am 23. April feiert England den Todestag des Heiligen Georg. Der Heilige aus Palästina, der um das dritte Jahrhundert nach Christus einen Drachen getötet haben soll, wird rund um den Globus verehrt: in Georgien ebenso wie in Kanada, Slowenien oder dem Libanon. Im süddeutschen Raum wird ihm mit dem Georgi-Ritt eine Pferdewallfahrt gewidmet. In England ist der Tag sogar ein Nationalfeiertag. Und da fängt die Verwirrung an.

1. Großbritannien, das Vereinigte Königreich und England – das ist doch alles dasselbe, oder?

Nein!

Großbritannien, auch das Vereinigte Königreich genannt, besteht aus England, Schottland, Wales und Nordirland. Wie vereinigt das Königreich wirklich ist, ist spätestens seit dem Referendum im Jahr 2014 fraglich, bei dem knapp die Hälfte der Wähler für einen Austritt aus diesem Königreich abgestimmt haben.

Irland ist historisch Teil Großbritanniens, hat sich aber bereits 1922 für unabhängig erklärt. Nur Nordirland entschied sich für einen Verbleib im Königreich.

Und der Saint George’s Day? Der ist nur in England ein Nationalfeiertag, aber nicht in Schottland, Wales, Irland oder Nordirland. Aber auch in England ist “Feiertag” eigentlich der falsche Ausdruck, denn arbeitsfrei haben die Engländer an diesem Tag nicht.

2. Die Engländer haben den Fußball erfunden, also spielen sie auch gut.

Es ist noch nicht bewiesen, dass die Engländer das Spiel wirklich erfunden haben. Aber die Ursprünge des Fußballspiels datieren zurück auf das Jahr 1863, als sich Rugby und Fußball in eigene Richtungen entwickelten.

Vermutlich sind diese lange Zeit und Englands Weltmeisterschaftssieg (ein einziger im Jahr 1966) daran schuld, dass immer noch jeder an Englands großes Fußballkönnen glaubt.

Aber die Wirklichkeit sieht anders aus: Englands wartet weiterhin auf den Pokal und trifft beim Elfmeter nur bei jedem sechsten Schuss.

3. Die Engländer saufen alle wie die Löcher.

Ja, es gibt diese Bilder von englischen Hooligans oder ihren Landsleuten, die sich in der spanischen Sonne grillen und dabei ein Pint Bier zischen.

Und ein Teil der Engländer hatte tatsächlich ein mittelmäßiges Alkoholproblem – Komasaufen war auch auf der Insel ein Trend. Aber es gibt einen Lichtblick: Neueste Zahlen zeigen, dass der wöchentliche Alkoholkonsum nachlässt.

Dennoch, im Vergleich trinken die Briten tatsächlich viel. Die Weltgesundheitsorganisation hat errechnet, dass sich knapp ein Drittel der Briten mindestens einmal im Monat betrinkt. In Deutschland tut das nur knapp ein Fünftel.

4. Britisches Essen schmeckt furchtbar.

“Man kann Leuten nicht vertrauen, deren Küche so schlecht ist”, soll der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac gesagt haben. Und tatsächlich hat die englische Küche international keinen guten Ruf.

Aber die Engländer scheinen dennoch etwas von gutem Essen zu verstehen. Sie verbringen immer mehr Zeit mit Kochen, das sie aus hübsch aufgemachten Kochbüchern und von Fernsehköchen gelernt haben. Da sind sicher nicht nur britische Rezepte dabei, aber es muss ja nicht immer die Küche des eigenen Landes sein – Hauptsache, es schmeckt.

5. Die Engländer reisen gerne, deshalb sprechen sie sicher viele Sprachen.

Ja, die Briten waren überall, und das schon sehr früh: James Cook und Charles Darwin bereisten die hintersten Winkel der Welt. Und weltweit sind die Jugendherbergen voll mit jungen Briten, die sich eine Auszeit gönnen.

Aber das heißt nicht, dass sie die Sprache ihrer Reiseländer beherrschen. Nur 4,6 Prozent der britischen Schüler haben 2011 mehr als eine Fremdsprache gelernt. Das ist der niedrigste Wert in der gesamten EU.

6. Wenn die Engländer sprechen, hört sich das an wie bei der Queen.

Engländer, Schotten, Australier, Pakistani, obwohl sie alle Englisch sprechen, hört es sich doch völlig unterschiedlich an. Der britische Akzent wurde jetzt zur erotischsten
http://dialectblog.com/british-accents/ aller englischen Aussprachen gewählt.

Vielleicht war das ein Missverständnis. Denn neben dem Queen’s English gibt es auch innerhalb Englands eine Reihe weiterer Dialekte wie das der Arbeiterklasse zugeschriebene Cockney, das unter Briten lange Zeit verpönt war.

7. Das englische Wetter ist so schrecklich wie das englische Essen.

Über das Essen haben wir bereits gesprochen. Aber wenn man einen Briten trifft, ist das Wetter immer ein gutes Thema.

Nur, dass es in London dauernd regnet wie aus Eimern, stimmt definitiv nicht. Dort regnet es pro Jahr nur 557 Millimeter, das ist weniger als in Stuttgart und würde kaum für Landwirtschaft ausreichen.