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Found in Translation: Über die Kunst des Übersetzens

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Found in Translation: Über die Kunst des Übersetzens

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Worte in Bilder fassen Willkommen im tschechischen Brünn. In dieser Ausgabe von Generation Y dreht sich alles um Bilder und Worte. Der junge Tscheche

Worte in Bilder fassen

Meinung

"Übersetzen ist eine Kunst an sich. Aber das wird nur anerkannt, wenn man Fehler macht. Wenn ich scheitere, merkt das jeder. Wenn ich tolle Arbeit abliefere, bekommt es normalerweise niemand mit."

Willkommen im tschechischen Brünn. In dieser Ausgabe von Generation Y dreht sich alles um Bilder und Worte.
Der junge Tscheche David Konečny macht Fotos für den Verlag Větrné mlýny, “Windmühlen”. “Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich Umschläge für Bücher gestalten kann, die noch nicht einmal geschrieben waren. In der Hälfte der Fälle sagt der Titel nichts über das Buch aus. Es gibt nichts Schlimmeres, als den Inhalt plakativ aufs Cover zu bringen. Da muss schon eine gewisse kreative Spannung da sein”, sagt David.

Zehn gute Geschichten auf einem Haufen.

Větrné mlýny arbeitet gerade an einem großen Projekt: Zehn zeitgenössische europäische Bücher sollen übersetzt werden. Die Themen reichen von historischen Veränderungen in Europa bis hin zu der Frage, wie junge Menschen heute mit Multikulti umgehen. Die Autoren kommen aus sieben verschiedenen Ländern. Weniger verbreitete Sprachen wie Norwegisch oder Mazedonisch stehen dabei im Mittelpunkt.

Tereza Semotamová übersetzt ein Buch ins Tschechische, das Teil einer Reihe über deutsche Schriftstellerinnen ist: “Für mich ist das eine große Verantwortung. Übersetzen ist reine Unsicherheit, weil man sich nie sicher sein kann, ob es gut oder genau genug ist. Ich muss viel recherchieren. Oft frage ich auch Freunde.”

Filip Drlík ist aus einem ganz bestimmten Grund Übersetzer geworden: “Ich schreibe selbst Musik und Liedtexte auf Englisch und auch auf Tschechisch. Romane zu übersetzen hilft mir dabei, andere Metaphern zu finden. Und es erweitert meinen Horizont.” “Übersetzen ist eine Kunst für sich. Aber das wird nur anerkannt, wenn man Fehler macht. Wenn ich scheitere, merkt das jeder. Wenn ich tolle Arbeit abliefere, bekommt es normalerweise niemand mit”, fügt der junge Musiker hinzu.

Lesen als lebendige Kunst

Das Übersetzungsprojekt sieht auch Ausgaben für E-Books vor und geht weit über reine Verlagsarbeit hinaus. “Wir als Verlag konzentrieren uns nicht nur aufs Verlegen, sondern organisieren auch literarische Veranstaltungen. Wir versuchen über verschiedene Kanäle mehr Leser anzusprechen und der Literatur mehr Schwung zu verleihen, weil sie eigentlich auch eine sehr lebendige Kunst ist”, erklärt Michaela Velčková, Koordinatorin des Projekts.

Die EU-Kommission unterstützt die Initiative außerdem mit dem Creative-Europe-Programm. Einige der Autoren werden beim Lese-Festival in mehreren osteuropäischen Städten mitmachen. Unter anderem im tschechischen Brünn und in Ostrau werden sie ihre Werke lesen und mit dem Publikum diskutieren.

“Viele Skeptiker sagen, dass die Leute nicht mehr lesen. Aber das stimmt überhaupt nicht. Es gibt Genres, die unter jungen Menschen sehr beliebt bleiben, wie Science-Fiction oder Fantasy. Die haben ein riesiges Publikum. Deshalb sind Bücher immer noch Teil unserer Gesellschaft, und auch von jüngeren Generationen”, findet Michaela Velčková.

Sie können die Generation-Y-Geschichten weiterhin in den sozialen Netzwerken mitverfolgen.