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Cinémas du Sud - Filme aus Nordafrika und dem Nahen Osten


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Cinémas du Sud - Filme aus Nordafrika und dem Nahen Osten

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Zu den Glanzlichtern der diesjährigen 15. Ausgabe des Festivals Cinémas du Sud im französischen Lyon gehörte der ägyptische Beitrag “El Ott” – Die Katze. Ein Kleinkrimineller erklärt einer skrupellosen Mafia, die mit Organen handelt den Kampf, nachdem seine eigene Tochter auf offener Straße entführt wurde.

Amr Waked spielt den Gangster mit Gewissen, der sich gegen das Böse zur Wehr setzt. Der Schauspieler ist außerdem Produzent des Films. Das Schicksal der Straßenkinder in Kairo liegt ihm sehr am Herzen.

Amr Waked: “Eines Tages las ich in der Zeitung eine Meldung, die darüber berichtete, dass man die verstümmelten Kinderleichen in einer Mülldeponie gefunden hatte. Ich war völlig schockiert darüber, dass so etwas in der Wirklichkeit geschehen kann.”

Das Drehbuch basiert auf dem Osiris-Mythos. Der ägyptische König wurde von seinem eifersüchtigen Bruder Seth ermordet und zerstückelt. Doch Königin Isis suchte nach ihrem Mann, setzte die Körperteile wieder zusammen und erweckte Osiris zu neuem Leben.

Amr Waked: “Der Osiris-Mythos ist die erste Geschichte über die furchtbare Verstümmelung eines Menschen. Er wird zum Symbol der Wiederauferstehung und des Lebens nach dem Tod.”

Auch der ägyptische Altstar Farouk Al-Fishawy ist in “El Ott” zu sehen. Er spielt den Mafia-Boss, der über das Reich des Bösen regiert.

Amr Waked: “Der Körper ist in allen Religion heilig, bei den Pharaonen, im Judentum, im Christentum und im Islam. Alle diese Religionen sakralisieren den menschlichen Körper. Aber wir sind heute an einen Punkt gekommen, an dem wie den Körper des Menschen verachten.”

Das im Lyoner Institut Lumière stattfindende Festival Cinémas du Sud ist Filmen aus Nordafrika und dem Nahen Osten gewidmet. Es wird vom Verein Regard Sud organisiert, der sich für den kulturellen Austausch mit der arabischen Welt einsetzt.

Ahed Alkalls, euronews: “Das Festival Cinémas du Sud beleuchtet den Umgang mit den vielen aktuellen Krisen nach dem arabischen Frühling. Die Filme geben dem europäischen Zuschauer einen kleinen Einblick in das Leid der Menschen.”

Neun Filme standen diesmal auf dem Programm. Darunter auch “Before Snowfall” über den jungen Kurden Siyar, der sich aufmacht auf eine Odyssee bis nach Europa, um seine Schwester, die vor der Zwangsheirat davon gelaufen ist, zu finden und zu töten, ein Ehrenmord.

“Before Snowfall” (Deutscher Titel: Der Junge Siyar) stammt vom kurdisch-norwegischen Regisseur Hisham Zaman. Zwei Jahre suchte er nach seinem Hauptdarsteller, Abdullah Taher.

Hisham Zaman: “Er trägt seine eigenen Kleider, seine Jacke und seine Schuhe in diesem Film. Wir wollten, dass er so authentisch und natürlich wie möglich bleibt. Der junge Darsteller hatte keinerlei filmische Erfahrung und war noch nie außerhalb Kurdistans. Er war wie der Dorfjunge, den ich im Drehbuch beschrieben hatte.

Das Opfer in diesem Film ist nicht nur die Frau, sondern auch der Mann, der junge Bruder. Er könnte jeder beliebige Junge sein, ein Europäer, ein Norweger. Aber weil das Schicksal ihn in dieser Region zur Welt kommen ließ, in der Krieg zum täglichen Leben gehört, muss er die Konsequenzen tragen, er lernt nicht in der Schule, sondern vom Leben.”

Der Film beschreibt auf beinah dokumentarische Weise die extrem gefährlichen Umstände der Flucht.

Auch Dokumentationen, ein anderer starker aktueller Trend in der arabischen Filmwelt, waren auf dem Festival Cinémas du Sud vertreten. Etwa sie syrisch-libanesische Produktion “Notre terrible pays” über den Bürgerkrieg in Syrien.

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