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Gedränge auf der Anklagebank - drei Chef-Generationen der Deutschen Bank wegen Kirch-Pleite vor Gericht

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Gedränge auf der Anklagebank - drei Chef-Generationen der Deutschen Bank wegen Kirch-Pleite vor Gericht

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Gleich fünf amtierende und ehemalige Top-Manager der Deutschen Bank stehen wegen versuchten Prozessbetrugs vor dem Landgericht München – darunter Jürgen Fitschen, einer der Vorstandschefs.

Fitschen, seine beiden Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere frühere Top-Manager
sollen mit einem gezielten Täuschungsmanöver vor vier Jahren versucht haben, Schadenersatzzahlungen für
die Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch vor dem Oberlandesgericht München abzuwehren.

Fazit von 627 Seiten Anklageschrift: “Der Plan der Angeschuldigten war, durch eine wahrheitswidrige Darstellung der tatsächlichen Geschehnisse in den Jahren 2001 und 2002 das Oberlandesgericht München zu täuschen und so dazu zu veranlassen, die im Raume stehenden Ansprüche schon dem Grunde nach zurückzuweisen.”

Die Angeklagten hatten diese Vorwürfe schon vor
Prozessbeginn zurückgewiesen.

In dem engen Gerichtssaal waren alle 50 Beobachterplätze restlos besetzt. Mit fünf Bankern und 17 Rechtsanwälten herrschte auch auf der Anklagebank Gedränge – noch nie war ein Dax-Konzern dort so prominent vor Gericht vertreten.

Der Medienunternehmer Leo Kirch war bis zu seinem Tod im Jahr 2011 juristisch gegen die Deutsche Bank vorgegangen. Er war überzeugt davon, dass die Bank ihn unter Druck gesetzt hat, um später durch einen Beratungsauftrag an der Sanierung seines Konzerns zu verdienen. Deren damaliger Vorstandsvorsitzender Rolf E. Breuer hatte Kirchs Insolvenz – wie mittlerweile gerichtlich festgestellt – durch eine Interview-Äußerung zur mangelnden Kreditwürdigkeit des Unternehmens Anfang 2002 mit ausgelöst.

Anfang 2014 war ein Vergleich geschlossen worden, nach dem die Deutsche Bank den Kirch-Erben 775 Millionen Euro plus Zinsen und weitere Kosten zahlt.

Verhandelt werden soll mindestens bis Mitte September. Im Falle einer Verurteilung käme laut Beobachtern ein Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren in Betracht.

su mit dpa, Reuters