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Nepal: Wie die Nothilfe funktioniert

Not bekämpfen, Menschen helfen – das ist das Ziel der Hilfsorganisationen in Katastrophenregionen wie Nepal. Doch häufig mangelt es an Koordination

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Nepal: Wie die Nothilfe funktioniert

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Not bekämpfen, Menschen helfen – das ist das Ziel der Hilfsorganisationen in Katastrophenregionen wie Nepal.

Doch häufig mangelt es an Koordination. “Machtfragen und politische Interessen sind nicht zu unterschätzen”, sagte der Politikwissenschaftler Malte Schönefeld der Deutschen Presse-Agentur. Er forscht an der Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern unter anderem zum Thema Bevölkerungsschutz. Für ihn ist besonders die Logistik ein Problem: “Flughäfen sind ein Nadelöhr mit begrenzten Kapazitäten, gerade in armen Ländern”, so Schönefeld, “teilweise wurden jetzt Teams, die bereits in der Luft waren, nach Indien umgeleitet und sind dort nun geparkt. Mittlerweile akzeptiert Nepal keine eintreffenden Such- und Rettungsteams mehr. Es ist außerdem ganz wichtig, dass die großen Such- und Rettungsteams eine gewisse Zeit autark agieren können. So schreiben es die Vereinten Nationen (UN) vor. Um der Bevölkerung nicht zusätzlich zur Last zu fallen, müssen sie einiges mitbringen: Treibstoff für Fahrzeuge, Aggregatoren und schweres Gerät etwa oder Nahrungsmittel und Wasser für mindestens sieben Tage und etwa 60 Personen. Insbesondere staatliche Teams können dies leisten, zum Beispiel das Technische Hilfswerk (THW) oder aus dem Militär heraus geführte Teams wie in Spanien oder Österreich.”

Die weitaus größte Zahl an lebenden Verschütteten werde von lokalen Helfern befreit. Die meisten ausländischen Rettungstrupps hülfen daher auch bei der Bergung, bei der medizinischen Versorgung, der provisorischen Wasseraufbereitung und dem initialen Wiederaufbau, so der Politikwissenschaftler. “Allgemein tritt die Akutphase nach spätestens zwei Wochen hinter einen mittelfristigen Wiederaufbau zurück. Die schnellen Einsatz-Einheiten übergeben über die UN in hoffentlich koordinierter Weise an nachfolgende internationale und lokale Spezialisten.”

Deutsche Bundesregierung stellt 2,5 Millionen Euro Hilfsgelder zur Verfügung

Allein die deutsche Bundesregierung hat bis zu diesem Dienstag 2,5 Millionen Euro Hilfsgelder zur Verfügung gestellt. Die Europäische Union brachte drei Millionen Euro ein, die USA stellten mehr als neun Millionen Euro zur Verfügung, Kanada 3,7 Millionen und Großbritannien knapp vier Millionen.

Der einzige internationale Flughafen Nepals war am Montag wegen des Andrangs überlastet. Mehrere Maschinen mit Hilfsgütern und Helfern mussten umkehren. Viele Touristen konnten nicht ausfliegen. Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen schicken auch Teams über beschwerlichen Landweg in die betroffenen Gebiete – von Indiens Hauptstadt Neu Delhi dauert es drei bis fünf Tage.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) machte darauf aufmerksam, dass vom Beben auch eine Million Kinder betroffen sind. Sie litten besonders unter Naturkatastrophen, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland, der “Passauer Neuen Presse”. “Etwa 40 Prozent aller Kinder in Nepal sind chronisch mangelernährt. Sie sind ohnehin geschwächt. Wenn sie nun einige Nächte bei Regen draußen in der Kälte verbringen müssen, können sie leicht gefährliche Atemwegserkrankungen bekommen”, warnte Schneider. Auch Durchfallerkrankungen könnten zum Problem werden.

Wer hilft?

Aus Deutschland kommen verschiedene Hilfsorganisationen. Eine Auswahl:

  • Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schickt einen Hilfsflug im Wert von 670.000 Euro in das Erdbebengebiet in Nepal. An Bord sind 60 Tonnen Hilfsgüter, darunter Zelte, Decken, Hygienepakete, Küchensets, Wasserkanister sowie eine Trinkwasseraufbereitungsanlage des Technischen Hilfswerks (THW). Finanziert wird der Flug vom Auswärtigen Amt.
  • Das THW hat außerdem ein vierköpfiges Vorausteam nach Kathmandu entsandt. Es soll unter anderem die deutsche Botschaft bei der Koordinierung und Lageerkundung unterstützen. Außerdem sollen elf Einsatzkräfte der sogenannten Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA) helfen.
  • Die Katastrophenhilfe I.S.A.R. hat sich mit Medizinern und Bergungsexperten sowie 15 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg gemacht. Sie warten in Indien auf die Möglichkeit zur Weiterreise. An Bord der Sondermaschine sind 52 Helfer. Unter ihnen sind Rettungshundeführer und Experten für die Suche nach Verschütteten sowie Mediziner.
  • Malteser International hat aus Deutschland eine halbe Tonne
    Medikamente bereitgestellt. Die Organisation entsandte am Sonntag
    Mitarbeiter in die Krisenregion.
  • Das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes stellt in einem
    ersten Schritt 100.000 Euro für dringend nötige Soforthilfemaßnahmen für die Erdbebenopfer bereit. Aus diesen Mitteln werden vor allem sauberes Trinkwasser, Decken und Kleidung sowie Hygieneartikel speziell für Frauen und Kinder finanziert.
  • Die Hilfsorganisation Care plant, bis zu 100.000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrung, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. Mehr als 150 Care-Mitarbeiter seien schon in der Region.
  • Misereor stellt eine Soforthilfe von 100.000 Euro bereit. Sie soll für die Basis-Versorgung eingesetzt werden, also Notunterkünfte, Lebensmittel, Wasser, Hygieneartikel und gesundheitliche Betreuung.
  • Auch die Caritas hat nach eigenen Angaben bereits 100 000 Euro für die schnelle Versorgung bereitgestellt.

Die Vereinten Nationen

Am Sonntag haben die Vereinten Nationen ein Voraus-Team aus fünf Experten nach Nepal entsandt. Sie sollen schauen, welcher Bedarf an Material und Helfern genau im Katastrophengebiet bestehe, erklärte der Sprecher des UN-Büros zur Nothilfe-Koordinierung (OCHA), Jens Laerke in Genf. Ihre erste Aufgabe sei es, die Hilfe anlaufen zu lassen. Allerdings werden die UN nicht alle Hilfsmaßnahmen alleine schultern.

Im Katastrophenfall sind es zunächst die Nachbarstaaten, die aktiv werden. So haben Indien und China bereits Rettungskräfte und Material auf den Weg gebracht. Andere Staaten haben ebenfalls Unterstützung angekündigt. Derweil haben die nepalesischen Behörden ihre eigenen Bergungstrupps in Marsch gesetzt und kümmern sich um die Opfer. Außerdem haben sie Listen an die internationale Gemeinschaft geschickt, was am dringendsten benötigt wird. Dazu zählen Decken, Lebensmittel, Wasser, Zelte, medizinische Ausrüstung, Rettungskräfte, schwere Maschinen und Fahrzeuge sowie Hubschrauber. Ein Problem dabei ist: Die UN sind erst noch dabei herauszufinden, wie groß die Schäden an der Infrastruktur des Landes sind.