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Zypern: Kommt jetzt der Durchbruch zum Frieden?

Die Hoffnung auf Frieden, Wiedervereinigung oder zumindest Annäherung, kurz: die Hoffnung auf ein neues Leben. Das ist es, was dem neuen Präsidenten

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Zypern: Kommt jetzt der Durchbruch zum Frieden?

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Die Hoffnung auf Frieden, Wiedervereinigung oder zumindest Annäherung, kurz: die Hoffnung auf ein neues Leben. Das ist es, was dem neuen Präsidenten von Nordzypern, Mustafa Akinci, den Wahlsieg gebracht hat. Oder umgekehrt: was die Mehrheit der türkischen Zyprer von ihm erwartet.

Seit 40 Jahren ist die Insel geteilt. In seinem Wahlkamp hat der neue starke Mann versprochen, sich für eine Annäherung mit dem Süden einzusetzen. Eine Pufferzone zwischen dem Norden und dem Süden der Insel wird von UN-Truppen überwacht.

Die Geschichte der Teilung

Rückblick: Im Jahr 1960 wurde Zypern unabhängig von Großbritannien. Zu dieser Zeit gab es noch keine Teilung. Die Mehrheit der Bevölkerung waren Griechen. Aber schon bald begann der Konflikt. Griechische Nationalisten wollten einen Anschluss Zyperns an das griechische Festland.

1974 stürzten griechisch-zyprische Offiziere in einem Putsch die Regierung. Die Türkei schickte Soldaten um die türkische Minderheit zu schützen. Sie berief sich dabei auf den Londoner Garantievertrag von 1959. Nach zwei Tagen war der Militäreinsatz beendet. Ankara besetzte knapp 40 Prozent der Insel.

Τrotz internationaler Kritik lehnte die Türkei einen Rückzug ab. Die Insel ist seitdem geteilt. Der Norden ist abhängig von türkischer Hilfe: Knapp 900 Millionen Euro überweist die Regierung jedes Jahr.

Keine internationale Anerkennung des Nordens

Ankara ist auch das einzige Land, das die „Türkische Republik Nordzypern“ offiziell anerkannt hat. Kein anderes Mitgliedsland der Vereinten Nationen hat dies getan. Zypern ist Mitglied der Europäischen Union, die Pufferzone ist aber keine offizielle Außengrenze der EU. Die Teilung ist politisch durchaus ein Problem für die Türkei. Das Thema belastet die Gespräche über einen Beitritt zur Europäischen Union. Αber auch nach jahrelangen Verhandlungen über eine Wiedervereinigung gibt es keine Fortschritte. Nach der Wahl Akincis äußerte sich der türkische Präsidenten Recep Erdoğan zunächst wenig begeistert über den neuen Versöhnungskurs Die Gespräche über eine Wiedervereinigung waren immer wieder an den gleichen Punkten gescheitert, beispielsweise dem Rückzug der Truppen oder der Rückkehr der Flüchtlinge.



Nur Wahlkampf oder kommt jetzt mehr?

Akincis Versöhnungssignale im Wahlkampf waren im Süden Zyperns dagegen gut angekommen Die Regierung dort gratulierte ihm. Präsident Nikos Anastasiades sprach auf Twitter von einem Zeichen der Hoffnung.


Regierungssprecher Nikos Christodoulides begrüßte die Wahl Akincis und sagte, er habe stets hervorgehoben, daß es wichtig sei, dass beide Teile Zyperns wiedervereinigt werden. “Wir hoffen auf einen baldigen ehrlichen und substanziellen Dialog.” Die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung sind seit Oktober wegen eines Streits um Gasvorkommen ausgesetzt. Im Mai sollen sie weitergehen.
Die Frage wird nicht zuletzt sein, ob Akinci seinen Wahlkampfankündigungen Taten folgen lässt und konkrete Angebote mitbringt.