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Lufthansa erwacht langsam aus der Schockstarre - Germanwings geht auf in Eurowings

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Lufthansa erwacht langsam aus der Schockstarre - Germanwings geht auf in Eurowings

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Bei der Hauptversammlung der Lufthansa wurde der 150 Toten des Germanwings-Absturzes gedacht. Die Aktionäre konnten
sich im Hamburger Congress-Centrum in ein Kondolenzbuch eintragen. “Die gesamte Lufthansa- und Germanwings-Familie trauert um die Opfer”, sagte der Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber vor einer Schweigeminute.

Spohr sagte den Hinterbliebenen noch einmal Beistand und Hilfe zu. “Das Unglück hat uns verändert und wird für immer Spuren in unserem Unternehmen hinterlassen. Wir alle sind
enger zusammengerückt.”

Der Name Germanwings verschwindet bereits im Herbst aus Werbung und Buchungssystemen – das war schon vor dem Absturz von 4U9525 in den französischen Alpen geplant.

Für die breite Masse der Passagiere soll künftig die Billig-Plattform Eurowings starten, auf der die Konzerngesellschaften möglichst kostengünstige Flüge in ganz Europa und sogar auf der Langstrecke anbieten sollen. In diesem Konstrukt soll auch die Airline Germanwings aufgehen.

Die weiteren Themen: Unternehmenschef Carsten
Spohr ging einen Schritt auf die dauerstreikenden Piloten zu – er bot eine Gesamtschlichtung über alle offenen Tariffragen an. Im härtesten Tarifkonflikt der Unternehmensgeschichte hat es seit April 2014 zwölf Streikrunden gegeben. Spohr bezifferte die Schadenssumme auf
inzwischen mehr als 300 Millionen Euro.

Dem Unternehmen zufolge sind mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sechs Tarifverträge offen, unter anderem zum Gehalt, zur Übergangsversorgung und zu den
Betriebsrenten der rund 5.400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings.

Und viele Aktionäre grummeln. Das Management hat die Dividende gestrichen, weil nach deutscher Rechnungslegung (HGB) im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 ein Verlust von 732 Millionen Euro aufgelaufen ist. Gründe für das schwache Abschneiden bei rund 30 Milliarden Euro Umsatz sind unter anderem erhöhter Konkurrenzdruck, stark steigende Pensionslasten und der bislang nicht beigelegte Pilotenstreik.

Große Sorge: Vor allem wegen der seit Mitte 2014 schrumpfenden Marktkapitalisierung – 5,8 Milliarden Euro – droht die Lufthansa aus dem Aktienindex Dax zu fliegen. Der Aktienkurs fiel von über 20 Euro auf unter 13 Euro. Der Image-Absturz würde den Kurs des Unternehmens noch weiter nach unten drücken: Vor allem große Fonds bilden in der Regel Börsenindizes ab.

su mit dpa