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Masterclass mit "The Riot Club"-Regisseurin Lone Scherfig

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Masterclass mit "The Riot Club"-Regisseurin Lone Scherfig

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Eine der bekanntesten europäischen Filmemacherinnen, Lone Scherfig, war in diesem Jahr auf dem Istanbuler Filmfestival zu Gast, um eine Masterclass

Eine der bekanntesten europäischen Filmemacherinnen, Lone Scherfig, war in diesem Jahr auf dem Istanbuler Filmfestival zu Gast, um eine Masterclass abzuhalten. Die dänische Drehbuchautorin und Regisseurin erlangte mit Italienisch für Anfänger (2000) internationale Bekanntheit.

Viel Beachtung fand auch der Streifen “An Education” von 2009 mit Carey Mulligan und Peter Sarsgaard über ein junges Mädchen, das eine brillante Oxfordkarriere anstrebt und durch die Beziehung zu einem älteren Mann aus der Bahn geworfen wird.
Der Film war für drei Oscars nominiert, unter anderem für die Beste Schauspielerin. Wie arbeitet Lone Scherfig mit ihren Darstellern?

Lone Scherfig: “Ich habe eine Schwester, die als Regisseurin am Theater arbeitet und mir ein paar Tricks gezeigt hat. Man muss auch verstehen, wie die Schauspieler funktionieren, was in ihnen vorgeht und sie manchmal einfach alleine machen lassen. Es sind verantwortungsvolle Menschen, die ihre Sache gut machen wollen. Ich habe mit Hunderten von Schauspielern gearbeitet und respektiere ihre Kreativität und ihren Mut. Das ist ein guter Ausgangspunkt.”

Lone Scherfig war die erste Frau, die einen “Dogma”-Film nach dem 1995 unter anderem von Lars von Trier und Thomas Vinterberg aufgestellten Dogma-Manifest drehte (“Italienisch für Anfänger”).

Was lehrt sie heutzutage in ihrer Masterclass, in einer Zeit, in der jedermann mit dem Mobiltelefon Videos machen kann?

Lone Scherfig: “Wenn ich in dieser Generation aufgewachsen wäre, würde ich genau dasselbe machen und Filme mit dem Handy drehen. Und ebenso viel Freude daran haben, die Dinge, Glück, Humor oder Sorgen, mit anderen zu teilen. Aber ich komme aus einer eher klassischen Tradition, in der man eine große Kamera und eine große Crew braucht, um Filme zu machen. Allerdings wird auch das mit den Jahren immer leichter und schneller.
Wenn man sein klassisches Erbe im Kopf hat und benutzt, um einen Film zu drehen, der eine andere technische Sprache spricht, ist das in Ordnung. Unsere Filmsprache ist dabei, sich drastisch zu verändern. Und wir müssen dafür sorgen, dass diese Kunstform als solche erhalten bleibt, auch wenn heute jeder Filme drehen kann.”

In The Riot Club, ihrem jüngsten Film, führte Scherfig die Brutalität des britischen Klassensystems vor Augen. Oxfordstudenten treiben unter dem Deckmantel eines Geheimclubs ihr Unwesen. Alkoholexzesse und dämliche Mutproben gehören zum Programm und vor allem das jährliche Club-Dinner, bei dem ein Restaurant samt Wirt zu Puppendreck gehauen wird. Was sich die Elite-Rüpel nahezu ungestraft erlauben können, weil sie Söhne aus der Oberschicht sind.

Der Ausgang des Films war keine leichte Entscheidung.

Lone Scherfig: “Die größte Herausforderung war zu entscheiden, ob der Film eine starke politische Botschaft haben oder in Mainstream-tauglicher Harmonie enden sollte.
Das war unser größtes Problem. Und wir entschieden uns für ein unvorhergesehenes Ende mit politischer Botschaft, das dem Zuschauer wohl eher kein so gutes Gefühl bereitet.”

“The Riot Club” kam im vergangenen Herbst in die Kinos.

Derzeit arbeitet Lone Scherfig an ihrem neuen Film, “Their Finest Hour and a Half”, eine Komödie mit Ex-Bondgirl Gemma Arterton, Sam Claflin und Bill Nighy. Ein Premierendatum ist noch nicht bekannt.