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Emotionale Debatte: So stehen die Briten zum Thema Einwanderung

Über das Thema Einwanderung wird in Großbritannien seit Langem gestritten. Klar, dass die Parteien auch im Wahlkampf nicht daran vorbeikamen. Wie

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Emotionale Debatte: So stehen die Briten zum Thema Einwanderung

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Über das Thema Einwanderung wird in Großbritannien seit Langem gestritten. Klar, dass die Parteien auch im Wahlkampf nicht daran vorbeikamen. Wie steht die britische Bevölkerung zu diesem Thema? euronews-Reporterin Joanna Gill hat sich auf den Straßen Londons umgehört und Stimmen gesammelt, die unterstreichen, wie uneinig sich die Briten diesbezüglich sind.

“Durch Einwanderung versuchen sie, das Gesicht Englands zu ändern. Wenn man sich im Land umguckt, sieht man, wie Engländer in ihrer Heimat plötzlich zu Bürgern zweiter Klasse werden”, sagt ein Mann. Ein anderer Londoner meint: “Ich glaube, die Einwanderungsdebatte ist das Ergebnis einer Politik der Angst und der Spaltung in diesem Land. Sie hilft keiner Partei. Die Fähigkeit, Menschen aus aller Welt zu integrieren, macht dieses Land einzigartig: All die verschiedenen sozio-ökonomischen Hintergründe, die sich zusammentun, um dieses Land voranzubringen.” Doch nicht jeden gehe dieses Thema an, meint Yetunde: “Ich persönlich bin davon nicht zu sehr betroffen. Das ist nichts, worüber ich nachdenke.”

Im Zentrum der Debatte stehen Einwanderer aus Ländern der Europäischen Union, die dank Arbeitnehmerfreizügigkeit auf die Insel kommen: “Ich halte es für eine gute Idee, dass man auf die eigenen Arbeitskräfte setzt, die Kosten niedrig hält und Leute holt, die für geringere Löhne arbeiten. Aber ich glaube nicht, dass das Langfristige durchdacht ist”, so Mark.

Emotionale Debatte

“Ist Einwanderung wirtschaftlich Fluch oder Segen?”, fragt die euronews-Reporterin. “Angesichts der wachsenden Zahl von Einwanderern spaltet diese Frage das Land. In London wollen wir der Einwanderungsdebatte auf den Grund gehen und Ihnen die Gesichter hinter den Statistiken zeigen”, sagt Joanna Gill und hat einen jungen Polen getroffen, der in London wohnt und arbeitet:

‘Mein Name ist Jakub, ich bin 25 Jahre alt und lebe seit drei Jahren in London. Ich bin Journalist. Ich fühle mich hier sehr gut aufgenommen. Vielleicht ziehe ich irgendwann zurück nach Polen, vielleicht auch nicht. Aber erst mal bleibe ich hier.’

Oft wird die Einwanderungsdebatte emotional geführt. Mit unterschiedlichen Statistiken, Umfragen und Analysen meinen Fachleute zudem, zum Kern des Themas vorzudringen. Jakub Krupa nimmt die Debatte lieber mit Humor. Im Rahmen der Aktion ‘Bloody Foreigners’ – ein Wortspiel aus blutigen und blöden Ausländern – spendet er Blut.

“Wenn jemand herkommt, ist er ein blöder Ausländer, der jemandem die Arbeit wegnimmt. Wir zeigen, dass es nicht nur darum geht, sondern, dass wir auch Positives beitragen”, sagt Krupa.

Forscher: “Einwanderer tragen positiv zur Wirtschaftskraft bei”

Einwanderungsgegner warnen vor Überfremdung und hohen Kosten, Befürworter meinen, das Königreich profitiere auch finanziell von den neuen Mitbürgern. Und das Land erhalte auf diese Weise – im wahrsten Sinne des Wortes – frisches Blut.

Carlos Vargas-Silva, der an der University of Oxford zum diesem Thema forscht, erläutert: “Einwanderer sind tendenziell jung, und sie kommen der Arbeit wegen. In der Regel haben sie einen Arbeitsplatz. Das bedeutet, dass sie selten Sozialleistungen in Anspruch nehmen und letztendlich positiv zur Wirtschaftskraft beitragen.”

Manche Briten argumentieren, Einwanderer würden den Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt erhöhen und erwerbslosen Einheimischen somit die Suche nach Beschäftigung erschweren. Und dass auch Ausländer mit Arbeitsplatz dann und wann Sozialleistungen in Anspruch nehmen, liegt auf der Hand.

“Eines der Probleme ist die Ballung”, sagt Vargas-Silva. “Es geht dann um Schulplätze und um Kinder, deren Muttersprache nicht Englisch ist und die deshalb andere Lehrer benötigen. Alle Einwanderer können das Gesundheitssystem kostenfrei in Anspruch nehmen. Das tun sie, und das kann in Krankenhäusern zu längeren Wartezeiten führen”, so der Wissenschaftler.

Umfragen: Mehrheit der Briten will weniger Einwanderer

In Erhebungen sprachen sich 77 Prozent der befragten Briten für eine Reduzierung der Einwandererzahlen aus. Doch wie könnten die Auswirkungen aussehen? Vor allem im britischen Gesundheitssystem arbeiten zahlreiche Ausländer. Wie würde es sich auf die medizinische Versorgung auswirken, wenn in diesem Sektor weniger ausländische Arbeitskräfte nachrückten? Stadt- und Landbevölkerung in Großbritannien sind sich da nicht ganz einig.

“In London sind die Menschen eher für Einwanderung, in ländlichen Gebieten eher dagegen. In Gegenden mit hohem Migrantenanteil wird Einwanderung eher positiv gesehen, in Gegenden mit weniger Migranten gibt es mehr Ablehnung”, erläutert Vargas-Silva.

Die britische Unabhängigkeitspartei UKIP hatte sich das Thema Einwanderung im Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben – mit dem Ziel, ihr Ergebnis von der Europawahl zu wiederholen, als die Partei von Nigel Farage stärkste Kraft des Landes war. Die Wahlumfragen zeigen allerdings, dass UKIP dieses Resultat wohl nicht wird wiederholen können.

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