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Mazedonien - auch bekannt als "FYROM"

Was ist da eigentlich los? Mazedonien hat eine große Minderheit albanischer Abstammung. Schon einmal gab es um diese Minderheit einen blutigen

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Mazedonien - auch bekannt als "FYROM"

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Was ist da eigentlich los?

Mazedonien hat eine große Minderheit albanischer Abstammung. Schon einmal gab es um diese Minderheit einen blutigen Konflikt.

In Kumanovo an der Grenze zum albanisch geprägten Kosovo kam es über das Wochenende ebenfalls wieder zu Kämpfen.

Mehr als zwanzig Menschen wurden dabei in der drittgrößten Stadt des Landes (70 000 Einwohner) getötet.

Aus Sicht der mazedonischen Führung sind dafür “albanische Terroristen” aus dem Kosovo verantwortlich, unterstützt von heimischen Albanern.

Was steckt dahinter?

Mehr als jeder vierte Mazedonier ist albanischer Abstammung. Diese Gruppe sieht
sich oft als Bürger zweiter Klasse und will eine Gleichstellung mit der
slawischen, christlich-orthodox geprägten Mehrheit.

Schon 2001 war es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen gekommen, die durch Vermittlung der EU beendet werden konnten.

Zwischen den großen Parteien beider Bevölkerungsgruppen wurde das Abkommen von Ohrid geschlossen, das aber in vielen Punkten nicht umgesetzt worden ist.

In dem Konflikt geben manche auch der EU eine Mitschuld, weil sie einen Beitritt Mazedoniens verzögert – und damit auch einen möglichen wirtschaftlichen Aufschwung.

Die Union ist hierbei aber blockiert durch ihr Mitglied Griechenland, das eine Provinz Makedonien hat und kein Nachbarland mit dem gleichen Namen dulden will.

Dieser Dauerstreit hält seit dem Zerfall Jugoslawiens an, also seit über zwanzig Jahren.

Inzwischen ist Mazedonien zwar seit zehn Jahren Beitrittskandidat der EU, aber Beitrittsverhandlungen gibt es wegen der griechischen Haltung nicht.

Ebenso blockiert Griechenland einen Beitritt Mazedoniens zur NATO.

International tritt Mazedonien unter der Bezeichnung “FYROM” auf, einer englischen Abkürzung für “frühere jugoslawische Republik Mazedonien”.

Und wie steht es jetzt?

Auch innenpolitisch herrscht in Mazedonien Stillstand: Der seit 2006 amtierende Regierungschef Nikola Gruevski hat einen autoritären Stil entwickelt.

Er kontrolliert Medien und Justiz. Vor einer Woche wurde er mit 100 Prozent der Stimmen wieder zum Vorsitzenden der Regierungspartei gewählt.

“Mazedonien ist definitiv ein Pulverfass”, sagt der kroatische Politikprofessor Vlatko Cvrtila. “Dort sind die Medien unfrei, die demokratischen Institutionen unter absoluter Kontrolle der Regierung – eine autoritäre Herrschaft”.

Die oppositionellen Sozialdemokraten mit ihrem Vorsitzenden Zoran Zaev boykottieren wegen des Vorwurfs grober Wahlfälschung seit über einem Jahr das Parlament.

Sie veröffentlichen seit drei Monaten Telefonmitschnitte, die die tiefe Verstrickung von Gruevski sowie Ministern und Mitarbeitern in Korruption und Kriminalität beweisen sollen.

Letzte Woche gab es an vier Tagen Demonstrationen in etlichen mazedonischen Städten, die von der Polizei mit brutaler Gewalt aufgelöst wurden.

Eine zentrale Forderung der Opposition ist inzwischen die Bildung einer “technischen” Regierung, die vor allem Neuwahlen organisieren solle.

Für diesen Sonntag hat sie zu einer Großkundgebung gegen Gruevski “bis zu seinem Rücktritt” aufgerufen.

Ob diese Demonstration angesichts der neuen Gewaltwelle stattfinden kann, steht aber noch nicht fest.