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Wahl in der Türkei: "Parteien haben Flüchtlingsfrage nicht ausgenutzt"

Reyhanli an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Die Stadt ist mit am meisten betroffen vom Krieg im Nachbarland. Seit dem Beginn des

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Wahl in der Türkei: "Parteien haben Flüchtlingsfrage nicht ausgenutzt"

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Reyhanli an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Die Stadt ist mit am meisten betroffen vom Krieg im Nachbarland. Seit dem Beginn des Konfliktes in Syrien hat sich die Einwohnerzahl verdoppelt.
Nach Angaben von Amnesty International hat die Türkei 1,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Die meisten von ihnen im Süden, etwa in Antep, Antakya, Kilis, Urfa oder Adana. In Reyhanli leben normalerweise 60.000 Menschen, jetzt sind es 120.000. 2013 sind hier zwei Bomben explodiert, 50 Menschen wurden getötet. Die Einwohner klagen: “Man verdient zum Beispiel vielleicht 50 Lira, wenn man eine Wand baut. Die Syrer machen dasselbe für viel weniger. Das hat schlimme Folgen für die Leute hier.” Ein anderer: “Der Grenzhandel ist auf beiden Seiten unterbrochen. Davon haben 60 bis 70 Prozent der Menschen hier gelebt. Aber das hat aufgehört.” Und auch das ist zu vernehmen: “Seit die Syrer hier sind, hilft der Staat ihnen. Den türkischen Bürgern hilft er aber nicht.”

Früher haben die Menschen von Viehzucht und Schmuggel gelebt, das ist nun vorbei. Wegen der Flüchtlinge sind die Mieten in die Höhe geschossen, das Thema ist eines der zentralen im Wahlkampf – vor allem in der Region – geworden. Die Menschen hier sind nervös, sie fürchten sich vor den Dschihadisten der IS-Miliz. Das dürfte Folgen für die Wahlen haben, meint auch Talha Köse von der Universität Sehir: “Bei den Leuten führt das zu Spannungen”, sagt er. “Aber selbt die Oppositionsparteien haben das lange Zeit politisch nicht ausgenutzt. Das muss man ihnen anrechnen. Auch wenn die CHP es in ihrem Wahlprogramm erwähnt, in den vergangenen drei-, vier Tagen haben sie es nicht gegen die Regierung benutzt. Die Parameter hier könnten sich ein wenig ändern, es gibt eine Reaktion. Ich denke aber, das wird das politische Leben in der Türkei nicht radikal verändern. Ich glaube nicht, dass die Flüchtlingsfrage in der Türkei so eine Dimension erreicht hat, wie bei den Anti-Immigrationsgruppen in Europa.”

Nach Auffassung der türkischen Regierung muss den Flüchtlingen aus dem Nachbarland geholfen werden. Sie werden als Gäste angesehen. Seit 2012 haben man etwa fünf Milliarden Dollar für diese Gastfreundschaft ausgegeben, heißt es in Ankara.