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Ukrainische Gegenwartskunst von 1984 - 2004

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Ukrainische Gegenwartskunst von 1984 - 2004

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Einen Überblick über zeitgenössische ukrainische Kunst von 1984 bis 2004 liefert die umfangreiche Gruppenausstellung Borderline im Kiewer

Einen Überblick über zeitgenössische ukrainische Kunst von 1984 bis 2004 liefert die umfangreiche Gruppenausstellung Borderline im Kiewer PinchukArtCentre.

Sie beginnt mit der Zeit der Perestroika und des Zusammenbruchs der Sowjetunion und endet mit der Orangenen Revolution. Vor allem die frühen Umbruchsjahre seien prägend gewesen, erläutert Kurator Björn Geldhof. “Ein zentrales Thema ist die Idee der Perestroika, die einen starken Einfluss auf das Kunstschaffen in dieser Zeit hatte. Ebenfalls bedeutend ist die Frage nach der Identität, der persönlichen und nationalen, ein ganz wichtiges Thema, als die Sowjetunion zusammenbrach.
Das dritte Element ist die Verrohung der Sitten, die vor allem in den 90er Jahren auftrat, als ein Spiegel dessen, was in der Gesellschaft geschah.”

Die Fotoserie “Case History” von Boris Mikhailov erzählt vom sozialen Abstieg, von Armut und Hoffnungslosigkeit all jener, denen es nach dem Ende des Sozialismus nicht gelang, in der neuen Welt Fuß zu fassen.

Boris Mikhailov: “Zur Zeit der großen Depression in den USA, beauftragte die US-Regierung Fotografen, das Leid der Menschen zu dokumentieren.Uns bezahlte niemand, aber wir taten genau dasselbe, wie die Fotografen in den USA damals.”

Auch Serhiy Bratkov beschäftigt sich in seiner Videoinstallation mit Menschen am Rande der postsowjetischen Gesellschaft.
Das Video zeigt eine alte Frau bein Essen in einer Suppenküche.

“Es stammt aus der Krim, die alte Frau, geht dort essen geht, weil sie wahrscheinlich keine Angehörigen mehr hat. Sie isst ein ganzes Glas Suppe und ist immer noch so hungrig, dass sie die Brotkrümel zusammenfegt.”

Administratives Chaos, ein anderes Kennzeichen der Ukraine in den 90er Jahren, spiegelt die Installation “Quelle der Erschöpfung” wider.

Pavlo Makov schuf sie 1994, als in der Stadt Charkiw zwei Monate lang das Wasser abgestellt wurde.

Pavlo Makov: “Die Bedeutung dieses Werks ist ganz einfach die Erschöpfung der Gesellschaft, die Unmöglichkeit, das Leben so wie vorher weiterzuführen. Leider haben sich die Dinge seit 1994 nicht allzu sehr verändert.”

Rund vierzig anerkannte urkrainische Künstler beziehungsweise Künstlergruppen sind in der Ausstellung vertreten.
Sie ist noch bis zum 4. Oktober im PinchukArtCentre, in Kiew zu sehen.