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Ciné-Palestine - Das Festival des palästinensischen Films in Paris

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Ciné-Palestine - Das Festival des palästinensischen Films in Paris

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Eine eher entspannte Festivalpremiere in Paris, ohne roten Teppich, so feiert das Festival des palästinensischen Films Ciné-Palestine seine erste

Eine eher entspannte Festivalpremiere in Paris, ohne roten Teppich, so feiert das Festival des palästinensischen Films Ciné-Palestine seine erste Ausgabe. Ein neuer Treffpunkt für die Kinogänger, eine andere thematische Perspektive, darum ging es den Initiatoren des Festivals.

Samuel Lehoux: “Der Schwerpunkt dieses Festivals liegt auf der Qualität der Filme, auf dem Inhalt, nicht auf politischen Intentionen. Es zeigt eine große filmische Vielfalt und ist in diesem Sinne ein wahrhaft kulturelles und künstlerisches Ereignis.”

Als Eröffnungsfilm lief der Streifen When I saw you in Anwesenheit der Regisseurin Annemarie Jacir und des Schauspielers Saleh Bakri.

Das Drama spielt in einem palästinensischen Flüchtlingslager während des Sechstagekriegs 1967.

Annemarie Jacir: “Meine Familie stammt aus Bethlehem, das 1967 besetzt war. Ich wollte einen Film über diese Epoche machen, die für die Palästinenser eine Tragödie, aber auch eine Zeit großer Hoffnung war. Auf der ganzen Welt, nicht nur in Palästina, versuchten junge Menschen, ihr Leben zu verändern. Es gab Studentenrevolten, antikoloniale und Bürgerrechts-Bewegungen. Es war eine ganz besondere Zeit.”

Der Film handelt von einem elfjährigen Jungen, der vom Vater getrennt mit seiner Mutter im Flüchtlingslager landet. Er beschließt auf eigene Faust nach dem Vater zu suchen, findet sich jedoch bald in einem Rebellencamp wieder.

Ahed Alkalls, euronews: “In den vergangenen zehn Jahren konnte sich das palästinensische Kino trotz knapper Ressourcen im internationalen Festival-Parcours etablieren. Der Rückblick auf die Vergangenheit und Sinn für Selbstironie, das sind die gemeinsamen Kennzeichen vieler Filme auf dem Festival Ciné-Palestine in Paris.”

Les 18 fugitives von Amer Shomali und Paul Cowan ist ein vielfach ausgezeichneter Dokumentarfilm mit Animationsszenen.
1987 während der ersten Intifada gelingt es den Bewohnern eines palästinensischen Dorfes, 18 Kühe zu ergattern. Schnell wird die Rinderherde wird zu einem Unabhängigkeitssymbol und schürt den Zorn der israelischen Behörden.

Amer Shomali: “Die palästinensischen Archive während der ersten Intifada enthielten in erster Linie Artikel aus dem Ausland, die je nach internationaler Lage über den Nahostkonflikt berichteten. Die Pro-Palästinenser stellten sie als misshandelte Opfer dar. Die Palästinenser-Gegner als Reifen verbrennende und Molotowcocktail werfende Terroristen. Der ganz normale palästinensische Alltag, Kühe melken, Hühner versorgen, Hausaufgaben machen mit dem Kind, wurde in den Medien ausgespart.”

In A World Is Not Ours erzählt Mahdi Fleifel unter anderem mit Videoaufnahmen aus den Achtziger- und Neunzigerjahren die sehr persönliche Geschichte des Flüchtlingslagers Ain el-Helweh im Süd-Libanon. Dort kam er zur Welt, später wanderte seine Familie aus. Der Regisseur kehrt regelmäßig zurück.

Er schildert den Alltag der Menschen, die täglichen Konflikte, aber auch die Freuden, vor allem wenn gerade Fußball-WM ist.

In seiner Dokumentation Infiltrators begleitet Khaled Jarrar Palästinenser, die tagtäglich unerlaubt die Mauer im Westjordanland übertreten, um auf der anderen Seite zu arbeiten, einen Arzt oder einen Verwandten aufzusuchen.

Khaled Jarrar dreht vier Jahre lang mit einer leichten Handkamera – diversen Hindernissen zum Trotz.

Khaled Jarrar: “Während des Drehs wurden wir oft von israelischen Wachsoldaten mit Tränengas beschossen. In diesen Momenten rannte ich einfach los, mit laufender Kamera. Diese Bilder habe ich in meinem Film verwendet.”

Insgesamt stehen ein Dutzend Spiel-und Dokumentarfilme, sowie zwei Kurzfilmserien stehen beim Festival Ciné-Palestine auf dem Programm.