Eilmeldung

Eilmeldung

Neuer Kahlschlag bei Europas größter Bank HSBC

Sie lesen gerade:

Neuer Kahlschlag bei Europas größter Bank HSBC

Schriftgrösse Aa Aa

Jetzt ist es offiziell: Europas größtes Geldhaus HSBC baut bis zu 50.000 Stellen ab. Damit fällt fast jeder fünfte Arbeitsplatz weg. Die britische Bank beschäftigt derzeit noch 266.000 Mitarbeiter (Ende 2007: 315.000).

Es gebe keine heiligen Kühe mehr, sagte der seit Anfang 2011 amtierende Vorstandschef Stuart Gulliver.

Vor allen Investmentbanker müssen sich ihre Papiere holen, aber auch Mitarbeiter in bedrohten Filialen – 8.000 in Großbritannien, 25.000 in Brasilien und der Türkei – hier will sich die Bank völlig zurückziehen, 17.000 im Rest der Welt.

Die Maßnahmen sollen 2017 abgeschlossen sein, dann soll die Bank abgemagert sein auf 208.000 Mitarbeiter. Ziel sei es, die Kosten um bis zu 4,6 Milliarden Euro zu senken. Um dies zu erreichen, würden Sonderaufwendungen von maximal 4,1 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren entstehen.

Steve Slater, Bank-Spezialist bei der Nachrichtenagentur Reuters:

“Die HSBC betreibt ihr Geschäft immer noch mit zu hohen Kosten. Die Erträge bleiben unter dem, was versprochen wurde. Vielleicht ist die Bank einfach zu groß zum Managen und zu komplex, um die Renditen zu liefern, die kleine und flinke Banken erreichen.”

Es ist Gullivers zweiter Versuch, mit massiven Einschnitten den Gewinn zu steigern und die Firmenstruktur zu vereinfachen.

Das Investmentbanking hat der HSBC viele Jahre hohe Gewinne eingebracht, wie auch den britischen Rivalen RBS und Barclays oder der Deutschen Bank, steht aber auch für jede Menge Skandale – etwa um die Manipulation von Zinsen oder Devisenkursen.

Der Bereich schwankt zudem traditionell stark. Und die Großbanken müssen wegen der Verwerfungen im Zuge der Finanzkrise mittlerweile deutlich schärfere Anforderungen der Aufsichtsbehörden erfüllen, was zulasten der Rendite geht.

Gulliver war fünf Jahre oberster Investmentbanker der HSBC. Bis 2017 sollen in der Sparte nun die sogenannten Risiko-Aktiva um ein Drittel (128,5 Milliarden Euro) gekürzt werden. Die Bank stellt in diesem Bereich also weniger Eigenkapital zur Verfügung, mit dem Geschäfte abgesichert werden. Weil es regulatorische Mindestanforderungen gibt, wird das de facto zu einem Teil-Rückzug führen. Konzernweit sollen die Risiko-Aktiva sogar um 266 Milliarden Euro reduziert werden.

In einigen Wachstumssegmenten und im Compliance (“Regeltreue”) – Bereich würden auch neue Stellen geschaffen, so die Bank. In Asien sollten zum Beispiel das Versicherungsgeschäft und die Präsenz im Süden Chinas rund um die Metropole Guangzhou ausgeweitet werden.

Viele Beobachter vermissen ein neues Konzept.

Francis Lun, GEO Securities Limited, Hong Kong:

“Ich meine, die Anleger finden es gut, dass die wenigstens ihre Mängel zugeben, und etwas dagegen unternehmen. Sie sitzen nicht da und drehen Däumchen. Aber persönlich habe ich meine Zweifel. Ich glaube nicht, dass Kostendrücken viel bringt, die sind bereits runter bis auf die Knochen.”

2014 hatte HSBC vor Steuern mit 17,2 Milliarden Euro verdient, 17 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Trotz aller Sparmaßnahmen stiegen die operativen Kosten, und die Bank musste auch mehr Vorsorge für Rechtsstreitigkeiten treffen.

Wegen deutlich gestiegener Bank-Steuern in Großbritannien erwägt das Institut, die Zentrale zu verlagern. Beobachter halten eine Rückkehr von HSBC nach Hongkong für denkbar, wo das Institut vor rund 150 Jahren gegründet wurde. Es zog erst 1993 nach London, als die Midland Bank übernommen wurde.

su mit Reuters