Eilmeldung

Eilmeldung

Griechenland: Apokalypse* verschoben? Abgesagt?

Sie lesen gerade:

Griechenland: Apokalypse* verschoben? Abgesagt?

Schriftgrösse Aa Aa

Die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern stocken. Dennoch herrscht an der Börse in Athen Bullenstimmung. Die Anleger sind fest davon überzeugt, dass sie auf die Rettung Griechenlands wetten können.

Dabei dümpelt die Wirtschaft vor sich hin: Die Arbeitslosenquote stieg in den ersten drei Monaten des Jahres leicht von 26,1 auf 26,6 Prozent (Vergleich Vorquartal, Daten von Statistikdienst).

Der Tiefpunkt, das waren 27,8 Prozent im ersten Quartal 2014. Fast 1,3 Millionen Griechen sind ohne Arbeit. Mehr als 71,6 Prozent der griechischen Arbeitslosen sind Langzeitarbeitslose, also mindestens 12 Monate ohne Beschäftigung.

Charis Prasas, Athen:

“Leider sind wir ein Land ohne Zukunft. Ob die aktuelle Regierung gute Absichten hat – und die unterstelle ich ihr – spielt keine Rolle. Sie kann nichts mehr tun für Sie, für mich, für unsere jungen Leute.”

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter herabgestuft. Die Agentur senkte die Bonitätseinstufung Athens um eine Stufe auf das Ramschniveau “CCC”. Da fehlt nicht mehr viel bis zur Zahlungsunfähigkeit.

Die Ratingagentur verwies dabei darauf, dass Griechenland anstehende Rückzahlungen von Krediten an den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf das Ende des Monats verschoben hat. Die Verzögerung scheine darauf hinzudeuten, “dass die griechische Regierung Renten und anderen nationalen Ausgaben Priorität gegenüber seinen planmäßigen Schuldenrückzahlungsverpflichtungen gibt”.

Alles scheint also düster, wie gehabt.
Aber die Finanzmärkte sehen Licht.

Robert Halver, Kapitalmarktanalyst bei der Baader Bank, Frankfurt:

“Ich meine, die Ängste vor einem Griechenaustritt aus der Eurozone schwinden. Wir haben zwar noch keinen Kompromiss und im Augenblick ist die Verhandlung auch sicherlich nicht so, dass man hurra schreien müsste, aber es gibt das ganz klare Ziel der europäischen Partner die Griechen-Euro-Zone zu halten.

Man möchte nicht die Konsequenzen eines Austritts der Griechen aus der Eurozone tragen und das erfreut die Börse. Allerdings nur kurzfristig, längerfristig haben wir ja mit dem Verbleib der Griechen-Euro-Zone nichts, aber auch gar nichts gewonnen.”

Viele Finanzmarkt-Kollegen sind laut Beobachtern einfach nur Weltuntergangs-müde. Wie oft haben sich die Gespräche nun schon “intensiviert”, ist “die Zeit knapp” geworden.

Der Athener Leitindex kletterte in den ersten Handelsminuten 5,8 Prozent nach oben. Der Bankenindex legte sogar fast 14 Prozent zu.

su mit dpa, Reuters

__________________________________

*Apokalypse (griechisch: ἀποκάλυψις = Offenbarung, Weltuntergang)