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"Das ist ein Kuddelmuddel " - banges Warten in Athen

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"Das ist ein Kuddelmuddel " - banges Warten in Athen

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Griechenland und seine Geldgeber rüsten sich für den Showdown im Schuldenstreit.

“Konfrontationskurs öffnet die Tür zum Konkurs,” lesen die Griechen in der Zeitung (Eleftheros Typos)

Und während sich die einen betont locker geben – “wir warten geduldig ab, bis die Institutionen auf eine realistische Position einschwenken”, so Regierungschef Alexis Tsipras – läuten andere die Sturmglocke: Ohne “Plan B”, so EU-Kommissar Günter Oettinger, drohe Griechenland, vom 1. Juli an, ein Notstandsgebiet zu werden.

Timos Melissaris, unabhängiger Hedgefonds-Manager:

“Das Bailout-Programm endet, was bedeutet, wenn wir keinen Deal bekommen, stoppt die EZB die Notfall-Liquiditätshilfe ELA (Emergency Liquidity Assistance). Das ist im Grunde die Finanzierung der griechischen Banken. Deswegen ist der 30. Juni der Tag der Wahrheit. Alles bis dahin politisches Schuld-Geplänkel.”

Am 30. Juni muss Athen etwa 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen, gleichzeitig läuft das schon zwei Mal verlängerte Hilfsprogramm für Griechenland auf europäischer Seite aus.

Nachdem am Wochenende Vermittlungsbemühungen der EU-Kommission
erfolglos geblieben waren, läuft Athen also die Zeit davon.

Griechenland ist mit mehr als 300 Milliarden Euro verschuldet – mehr als 30.000 Euro je Staatsbürger, auf alle Köpfe der Eurozone verteilt, immer noch fast 1.000 Euro. Und Otto Normalverbraucher? Wartet mit seinen Überweisungen ab bis zum Tag der Wahrheit.

Der 40-jährige Mechaniker Dimitris:

“Ich gebe Europa die Schuld. Sie haben eine Menge Druck auf uns ausgeübt, eine Menge Druck. Wir haben hier Sparprogramme. Wie viele Sparmaßnahmen kann es noch geben in Griechenland? Die Europäische Union muss ihre Forderungen zurücknehmen.”

Nikos Michas (82) aus Athen:

“Das ist ein Kuddelmuddel. Das kann keiner reparieren, mit dieser Regierung finden wir keine Lösung. Da hört man immer verschiedene Dinge, die Gespräche kommen und gehen, sie kämpfen, sie streiten. Wo führt das hin?”

Das wissen die Börsen auch nicht : Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 1,85 Prozent ein. Der Athener Leitindex sackte 4,7 Prozent ab, der griechische Bankenindex um acht Prozent.

su mit Reuters, dpa