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Europäischer Erfinderpreis 2015


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Europäischer Erfinderpreis 2015

Erfinder aus unterschiedlichen Disziplinen versammelten sich Anfang Juni in Paris zur 10. Verleihung der Erfinderpreise des Europäischen Patentamts in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission. Die international besetzte Fachjury hatte aus Hunderten Vorschlägen fünfzehn Finalisten ausgewählt. Der Preis wurde in insgesamt sechs Kategorien vergeben.

Der Schweizer Chemiker Andreas Manz wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Dank seiner Lab-on-a-Chip-Technologie ist es möglich, komplexe Analyseprozesse auf einem nur wenige Millimeter kleinen Mikrochip zu bündeln.

Die Technologie eröffnet neue Möglichkeiten im Bereich der medizinischen Analyse und Diagnostik. Das Mikrosystem liefert schnell und unkompliziert Untersuchungsergebnisse und ist damit für den Einsatz in armen oder entlegenen Weltregionen prädestiniert, etwa im Fall von Epidemien.

Andreas Manz: “Der grundsätzliche Vorteil der Lab-on-a-Chip-Technologie ist, dass auf kleinstem Raum alles schneller geht. Das ist das Skalierungsgesetz. Ein Elefant zum Beispiel bewegt sich folgendermaßen fort (mimt den schweren Gang), ziemlich langsam. Eine kleine Maus hingegen läuft sehr schnell. Genau dasselbe trifft auf unsere Moleküle zu. In einer kleinen Struktur, auf einem Mikrochip, läuft die Analyse wesentlich schneller.”

In der Kategorie “Kleine und mittlere Unternehmen” wurde die Niederländerin Laura van ‘t Veer ausgezeichnet. Sie hat einen Gentest für Brustkrebspatientinnen entwickelt, mit dem sich in einem frühen Stadium diagnostizieren lässt, ob eine Chemotherapie notwendig ist oder nicht. Der Gentest namens MammaPrint untersucht Tumorgewebe auf ein Rückfallrisiko innerhalb der nächsten 10 Jahre. Er wurde bislang (in 34 Ländern) bei über 40 000 Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium eingesetzt. Und hat dazu beigetragen, dass sich 20 bis 30 Prozent weniger Brustkrebspatientinnen einer Chemotherapie unterziehen müssen.

Claudio Rocco, euronews: “Können Sie die Vorteile dieses Tests für die Patientinnen beschreiben?”

Laura van ‘t Veer: “Frauen mit geringem Risiko können auf die Chemotherapie verzichten, was bedeutet, dass sie nicht den Nebenwirkungen der Behandlung ausgesetzt sind und nicht für längere Zeit aus dem Alltag gerissen werden. Und Frauen, die eine Chemotherapie benötigen, werden auf Grundlage ihres persönlichen Testresultats gezielt behandelt.”

Franz Amtmann aus Österreich und Philippe Maugars aus Frankreich wurden in der Kategorie “Industrie” für die Erfindung berührungsloser
Datenübertragung geehrt. Mithilfe der sogenannten Near Field Communication können Benutzer von Smartphones aktiv mit ihrem Umfeld in Kontakt treten.
Das Smartphone kann beispielsweise als Geldkarte genutzt werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind unter anderem interaktive Anzeigen in Museen, automatische Türöffner, das Einchecken per mobiler Bordkarte bei Flugreisen oder der Erwerb von Bus- und Bahntickets direkt beim Einstieg.

Claudio Rocco, euronews: “Was ist der Unterschied im Vergleich zu Wi-Fi und Bluetooth?”

Philippe Maugras: “Wenn Sie das U-Bahn-Ticket auf ihrem Smartphone gespeichert haben und die Pariser Metro nehmen, aber plötzlich keine Batterie mehr haben, dürfen Sie dennoch die Ausgangskontrolle passieren, weil das System Ihr Ticket immer noch abrufen kann. Mit Bluetooth oder Wi-Fi geht das nicht.”

Franz Amtmann: “Es funktioniert auch mit passiven Geräten ohne eigene Stromversorgung. Sobald der Kontakt mit dem Tag entsteht, erscheint die gespeicherte Internetadresse.”

Zu den weiteren Preisträgern gehörte der Franzose Ludwik Leibler, er wurde für die Entwicklung recycelbarer Vitrimere ausgezeichnet. Der Publikumspreis ging an das
australisch-chinesische Forscherteam Ian Frazer und Jian Zhou für den ersten Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs.

Sumio Iijima, Akira Koshio und Masako Yudasaka aus Japan schließlich wurden für die Entdeckung von Kohlenstoffnanoröhren geehrt.

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