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Evo Morales wirft der EU Erpressung in den Handelsbeziehungen vor

Bolivien hat wichtige Fortschritte im Kampf gegen die Armut erzielt. Evo Morales, der erste indigene Präsident, hat dieses Jahr seine dritte Amtszeit

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Evo Morales wirft der EU Erpressung in den Handelsbeziehungen vor

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Bolivien hat wichtige Fortschritte im Kampf gegen die Armut erzielt. Evo Morales, der erste indigene Präsident, hat dieses Jahr seine dritte Amtszeit in Folge angetreten. Er ist der am längsten regierende Präsident Boliviens.

Marta Vivas Chamorro, Euronews:

“Wie schätzen Sie die Beziehung zwischen der EU und Lateinamerika ein? Laut Experten haben sich beide in den letzten Jahren politisch distanziert.”

Evo Morales, bolivianischer Präsident:

“Ich glaube, dass sich die beiden Kontinente nie wirklich auf politischer Ebene verstanden haben. Aber wir sind jetzt in einer neuen Epoche angelangt, der Zeit des Wandels. Unsere Völker brauchen weitreichende Veränderungen für ihr Wohlbefinden. Ich akzeptiere das Wort Emigration nicht, ich teile diese Terminologie nicht. Ich akzeptiere auch nicht “die Einwanderung”, das Wichtigste für uns ist es gemeinsam eine universelle Staatsbürgerschaft zu konstruieren. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration sind mehr Europäer nach Lateinamerika und in die Karibik gekommen, als Lateinamerikaner nach Europa. Lateinamerika hat niemals Gesetze zur Abschiebung von Europäern verabschiedet oder Gefängnisse für illegale Einwanderer gebaut. Anders als Europa.”

Euronews:

“Was sind die größten Herausforderungen für ihre dritte Amtszeit?”

Morales:

“Ich möchte vier Säulen der nationalen Wirtschaft ausbauen. Zurzeit steht es gut um die Erdölförderung. Ich möchte die Energie exportieren, aus Bolivien das Energiezentrum Lateinamerikas machen. Der Bergbau und die Landwirtschaft sollen auch Gewinn bringen.”

Euronews:

“Bolivien strebt den Beitritt zum Mercosur, dem Gemeinsamen Markt Südamerikas, an. Wann wird es bereit sein, sich als aktives Mitglied einzubringen?”

Morales:

“Wir hoffen ein Teil von Mercosur zu werden, aber wir wollen auch damit verbundene Verhandlungen, ohne Forderungen oder indiviuelle Interessen der Regionen. Der Schwerpunkt muss die Lösung der Probleme wie Armut, Hunger und Ungleichheit innerhalb der Völker, sein. Das bedeutet, dass es wirtschaftlich um gegenseitige Ergänzung geht, nicht um Konkurrenz.”

Euronews:

“Warum denken Sie, dass die EU und der Mercosur sich nicht einig werden?”

Morales:

“Auf gewisse Art und Weise erpresst die EU den Mercosur. Sie wollen einen Wettbewerbsmarkt, einen freien Markt und freien Handel. Wir sagen aber Nein, weil nur die multinationalen Konzerne von dem Wettbewerb profitieren und nicht unsere Völker. Deshalb sollten die Staaten in den Handel eingreifen. Für einen solidarischen, sich ergänzenden Handel, vor allem aber wenn es darum geht wie wir das teilen können, was uns in unseren Ländern fehlt. Außerdem sollten wir biologische Produkte bevorzugen, um unsere Lebensqualität zu verbessern.”

Euronews:

“Im jüngsten Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen heißt es, dass ein Großteil der in Europa konsumierten Drogen aus Ländern wie Bolivien, Kolumbien und Peru stammen. Wie gehen Sie gegen den Drogenhandel vor?”

Morales:

“Unsere Kampfstrategie gegen den Drogenhandel wurde von der EU und den Vereinten Nationen anerkannt. Obwohl wir noch bessere Technologie brauchen. Wenn Bolivien Radargeräte hätte, dann könnten wir wirklich ein Beispiel im Kampf gegen die Drogen sein. Wir sind dankbar für den Beitrag der EU von 60 Millionen Euro für den Kampf gegen den Drogenhandel. Sie haben ohne Bedingungen und ohne Erpressung dazu beigetragen. Die EU unterstützt dadurch die Bemühungen der bolivianischen Regierung.”

Euronews:

“Sprechen wir über Gewalt gegen Frauen. Das Europäische Parlament debattierte vor einigen Tagen darüber. Die UNO ist ebenfalls besorgt über die Anzahl der Frauenmorde in Bolivien. Warum gibt es so wenige Verurteilungen und wie kann man Frauen besser schützen?”

Morales:

“Früher, als es noch keine Regeln oder Normen für Gewalt gegen Frauen oder gegen Machismo gab, gingen wenige Frauen zur Polizei. Viele Frauenmorde wurden vertuscht. Heute werden diese Morde zur Anzeige gebracht. Es scheint also, als ob es mehr Morde gebe, es werden jedoch immer weniger.”

Euronews:

“Und die wenigen Urteilssprüche? Wie steht es um die Zusammenarbeit mit der Justiz?”

Morales:

“Wir bereiten gerade einen Gipfel vor und vielleicht wird es ein Referendum geben, um Ordnung in die bolivianische Justiz zu bringen. Wie Sie wissen besteht Gewaltenteilung und dadurch sind sie unabhängig voneinander. Die Exekutive kann der Judikative deshalb kaum etwas vorschreiben. Es gibt aber auch Pflichten: das Volk kann sich durch eine Wahl zu weitreichenden Änderungen, zu einer Revolution, im bolivianischen Justizsystem entscheiden.”

Euronews:

“Was denken Sie über den FIFA-Skandal? Wie stehen Sie als Fußballfan zu der FIFA-Krise?”

Morales:

“Der Weltfußball lässt viel zu wünschen übrig. Fußball ist ein Welterbe. Er kann unmöglich zum Geschäft einiger Funktionäre des Weltfußballs werden. Wir lehnen die Korruption ab und verurteilen sie in der Welt des Fußballs. Fußball und die FIFA können nicht privatisiert werden. Die Staaten müssen daran teilhaben, um solche Skandale zu vermeiden.”