Eilmeldung

Eilmeldung

Papst Franziskus' Enzyklika: Vielfalt und Dialog zur Rettung der Umwelt

Die katholische Kirche hat 1,2 Milliarden Mitglieder – gerade in Schwellenländern haben die Worte des Papstes Gewicht. In Enzyklika “Laudato Si’ –

Sie lesen gerade:

Papst Franziskus' Enzyklika: Vielfalt und Dialog zur Rettung der Umwelt

Schriftgrösse Aa Aa

Die katholische Kirche hat 1,2 Milliarden Mitglieder – gerade in Schwellenländern haben die Worte des Papstes Gewicht.

In Enzyklika “Laudato Si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus” vom 24. Mai 2015 richtet sich Papst Franziskus in sechs Kapiteln mit mahnenden Worte zum Umweltschutz an die Gläubigen.

Es ist die erste von Franziskus allein verfasste Enzyklika – die vorangegangene war von seinem Vorgänger Benedikt begonnen worden.

Papst Franziskus entwickelt darin den Gedanken einer gesamtheitlichen Ökologie, die von Vielfalt lebt. Sie setzt ein harmonisches und nachhaltiges Zusammenspiel zwischen Umwelt, Wirtschaft, Politik, Gemeinschaft und Individuum voraus.

Im Folgenden finden Sie einige Auszüge und Zitate aus der Enzyklika:

Mein Aufruf

“Die dringende Herausforderung, unser gemeinsames Haus zu schützen, schließt die Sorge ein, die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen, denn wir wissen, dass sich die Dinge ändern können.”

“Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten.”

Erstes Kapitel: Was unserem Haus widerfährt

“Es gibt Formen der Umweltverschmutzung, durch die die Menschen täglich geschädigt werden. Den Schadstoffen in der Luft ausgesetzt zu sein, erzeugt ein weites Spektrum von Wirkungen auf die Gesundheit – besonders der Ärmsten – und verursacht Millionen von vorzeitigen Todesfällen.”

“Diese Probleme sind eng mit der Wegwerfkultur verbunden, die sowohl die ausgeschlossenen Menschen betrifft als auch die Dinge, die sich rasch in Abfall verwandeln.”

“Während die Qualität des verfügbaren Wassers ständig schlechter wird, nimmt an einigen Orten die Tendenz zu, diese knappe Ressource zu privatisieren; so wird sie in Ware verwandelt und den Gesetzen des Marktes unterworfen. In Wirklichkeit ist der Zugang zu sicherem Trinkwasser ein grundlegendes, fundamentales und allgemeines Menschenrecht.”

Der Rest des Kapitels befasst sich mit Themen wie Biodiversität, Verringerung der Lebensqualität, Ungleichheit und dem Fehlen einer breiten Reaktion auf die Herausforderungen.

Zweites Kapitel: Das Evangelium von der Schöpfung

Dies ist das religiöseste Kapitel. Franziskus schreibt darin unter anderem, dass “Wissenschaft und Religion, die sich von unterschiedlichen Ansätzen aus der Realität nähern, in einen intensiven und für beide Teile produktiven Dialog treten” können und sollen.

“Es ist auch notwendig, auf die verschiedenen kulturellen Reichtümer der Völker, auf Kunst und Poesie, auf das innerliche Leben und auf die Spiritualität zurückzugreifen. Wenn wir wirklich eine Ökologie aufbauen wollen, die uns gestattet, all das zu sanieren, was wir zerstört haben, dann darf kein Wissenschaftszweig und keine Form der Weisheit beiseitegelassen werden, auch nicht die religiöse mit ihrer eigenen Sprache.”

Drittes Kapitel: Die Menschliche Wurzel der ökologischen Krise

Dieses Kapitel befasst sich mit Technoligie, Globalisierung und der “Krise und den Folgen des modernen Anthropozentrismus”.

“Es wird uns nicht nützen, die Symptome zu beschreiben, wenn wir nicht die menschliche Wurzel der ökologischen Krise erkennen.”

“Bei dieser Überlegung schlage ich vor, dass wir uns auf das vorherrschende technokratische Paradigma konzentrieren und auf die Stellung des Menschen und seines Handelns in der Welt.”

Viertes Kapitel: Eine ganzheitliche Ökologie

“Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise. Die Wege zur Lösung erfordern einen ganzheitlichen Zugang, um die Armut zu bekämpfen, den Ausgeschlossenen ihre Würde zurückzugeben und sich zugleich um die Natur zu kümmern.”

“Wenn zwischen allen Dingen Beziehungen bestehen, bringt auch der Gesundheitszustand der Institutionen einer Gesellschaft Folgen für die Umwelt und die menschliche Lebensqualität mit sich: „Jede Verletzung der bürgerlichen Solidarität und Freundschaft ruft Umweltschäden hervor“116. In diesem Sinne bezieht sich die Sozialökologie notwendigerweise auf die Institutionen und erreicht fortschreitend die verschiedenen Ebenen.”

“Das Verschwinden einer Kultur kann genauso schwerwiegend sein wie das Verschwinden einer Tier- oder Pflanzenart, oder sogar noch gravierender. Die Durchsetzung eines vorherrschenden Lebensstils, der an eine bestimmte Produktionsweise gebunden ist, kann genauso schädlich sein wie die Beeinträchtigung der Ökosysteme.”

“Die verhängnisvollen Prognosen dürfen nicht mehr mit Geringschätzung und Ironie betrachtet werden. Wir könnten den nächsten Generationen zu viel Schutt, Wüsten und Schmutz hinterlassen.”

Fünftes Kapitel: Einige Leitlinien für Orientierung und Handlung

Nun entwickelt Franziskus konkretere Handlungsvorschläge. Der Papst fordert mehr Dialog und Transparenz bei der Schaffung von Umweltschutzregelungen sowie einen verstärkten Dialog zwischen den Religionen, um gemeinsam auf diese Ziele hinzuarbeiten.

“Die Strategie eines An- und Verkaufs von „Emissionszertifikaten“ kann Anlass zu einer neuen Form von Spekulation geben und wäre einer Reduzierung der globalen Ausstoßung von umweltschädlichen Gasen nicht dienlich. […] Vielmehr kann es sich in einen Behelf verwandeln, der vom Eigentlichen ablenkt und erlaubt, den übermäßigen Konsum einiger Länder und Bereiche zu unterstützen.”

“Die armen Länder müssen notwendig der Ausrottung des Elends und der sozialen Entwicklung ihrer Bewohner den Vorrang einräumen; gleichwohl müssen sie das skandalöse Konsumniveau einiger privilegierter Bevölkerungsgruppen analysieren und die Korruption besser kontrollieren.”

“Dringend bedarf es internationaler Vereinbarungen, die umgesetzt werden, da die lokalen Instanzen zu schwach sind, um wirksam einzugreifen.”

“Das wachsende Problem der Abfälle im Meer und der Schutz der Meeresgebiete jenseits der nationalen Grenzen stellt weiterhin eine besondere Herausforderung dar.”

“Der größte Teil der Bewohner des Planeten bezeichnet sich als Glaubende, und das müsste die Religionen veranlassen, einen Dialog miteinander aufzunehmen, der auf die Schonung der Natur, die Verteidigung der Armen und den Aufbau eines Netzes der gegenseitigen Achtung und der Geschwisterlichkeit ausgerichtet ist.”

Sechstes Kapitel: Ökologische Erziehung und Spiritualität

Nötig sei die Evolution eines neuen Lebensstils, so der Papst.

“So zeichnet sich eine große kulturelle, spirituelle und erzieherische Herausforderung ab, die langwierige Regenerationsprozesse beinhalten wird.”

“Wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit fordert uns unser gemeinsames Schicksal dazu auf, einen neuen Anfang zu wagen […] Lasst uns unsere Zeit so gestalten, dass man sich an sie erinnern wird als eine Zeit, in der eine neue Ehrfurcht vor dem Leben erwachte.”

“Wenn wir fähig sind, den Individualismus zu überwinden, kann sich wirklich ein alternativer Lebensstil entwickeln, und eine bedeutende Veränderung in der Gesellschaft wird möglich.”

Den vollen Text der Enzyklika in deutscher Sprache finden Sie hier.

Und wie so oft sind die Meinungen daüber, wie die Enzyklika zu bewerten ist, verschieden.