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Deutsche Wirtschaft hat den Griechen-Blues

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Deutsche Wirtschaft hat den Griechen-Blues

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Sorgen wegen der Griechenland-Krise und eine Konjunkturabkühlung in wichtigen Schwellenländern belasten die deutschen Unternehmen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gab im Juni überraschend deutlich nach von 108,5 Punkten im Mai auf 107,4. Die Stärke des zweiten Rückgangs in Folge überraschte viele Experten.

“Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind gedämpft”, erklärte der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Das Institut hatte erst in der vergangenen Woche seine Wachstumsprognose für dieses Jahr spürbar angehoben von zuvor 1,5 Prozent auf 1,9 Prozent. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser
verwies dabei auf den lebhaften Konsum, die gute Lage am Arbeitsmarkt und das günstige Finanzierungsumfeld für Investitionen.

Allerdings stimmte er auch auf eine Abkühlung der Weltkonjunktur im kommenden Jahr ein, die sich auf die Exportaussichten der Firmen niederschlagen dürfte.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich aus der Befragung von rund 7.000 Unternehmen aus Industrie, Einzel- und Großhandel und aus der Bauwirtschaft ermittelt und bildet die aktuelle Lage der Firmen und ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate ab.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, geht bis Ende kommenden Jahres von einem robusten Wachstum, Beschäftigungsrekord
und stark steigenden Löhnen in Deutschland aus. Zu dem günstigen Ausblick werde neben der Binnenkonjunktur auch eine Erholung der Weltwirtschaft beitragen, erklärte der Leiter der DIW-Abteilung Konjunkturpolitik, Ferdinand Fichtner.

Für dieses Jahr korrigierte das DIW seine Wachstumsprognose dennoch von zuvor 2,2
Prozent auf nur noch 1,8 Prozent. Grund sei das unerwartet schwache erste Quartal. Für 2016 rechnet das Institut unverändert mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,9 Prozent.

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner verwies auf die Verunsicherung durch die Griechenland-Krise. “Der Stimmungsrückgang ist derzeit kein Wunder”, schrieb Zeuner in seiner Analyse. Dennoch wachse die Eurozone. Für deutlich mehr Arbeitsplätze reiche es aber noch lange nicht, so Zeuner.

su mit dpa