Eilmeldung

Eilmeldung

Alexis Tsipras zockt

Nach seinem Wahlsieg vor fünf Monaten hat Alexis Tsipras angekündigt, das Land werde die katastrophale Sparpolitik hinter sich lassen. Der Chef der

Sie lesen gerade:

Alexis Tsipras zockt

Schriftgrösse Aa Aa

Nach seinem Wahlsieg vor fünf Monaten hat Alexis Tsipras angekündigt, das Land werde die katastrophale Sparpolitik hinter sich lassen.

Meinung

Die Europäische Union beruht auf Demokratie, Gleichheit und Respekt. Die Prinzipien der EU sind nicht Erpressung und Ultimaten

Der Chef der Linkspartei Syriza geht auf Europatour und wirbt für einen Schuldenschnitt. Er scheitert, kein Europaland will den Griechen Schulden erlassen. Mit Brüssel einigt er sich auf eine Übergangslösung: frische Hilfskredite bis Ende Juni und im Gegenzug hält sich Griechenland an die Sparauflagen.

Mitte Mai gelingt es Athen dem Internationalen Währungsfond 750 Millionen Euro zu zahlen. Doch ohne Vereinbarung bekommt Griechenland nicht die 7,2 Milliarden Hilfskredite, die es benötigt, um sich zu finanzieren.

Ministerpräsident Tsipras gibt sich dennoch zuversichtlich: “Wir haben viele Schritte unternommen, wir sind auf der Zielgeraden, wir sind ganz nah dran an einem Deal. Diese Vereinbarung wird gut für die griechische Wirtschaft sein. Diese Vereinbarung wird die Last aufteilen.”

Anfang Juni bittet Griechenland darum die vier anstehenden Fristen auf eine einzige Frist am Ende des Monats zu verschieben. Die Verhandlungen dauern an und Tsipras scheint noch an einen guten Ausgang zu glauben: “In den kommenden Tagen werden wir einer Vereinbarung näher kommen. Ich bin davon überzeugt, dass ein Deal in greifbarer Nähe ist. Aber wir müssen diese Diskussionen mit einer realistischen Einstellung beenden.”

Vor dem griechischen Parlament schlägt Tsipras jedoch andere Töne an. Er erklärt, dass die Geldgeber eine lebensfähige Lösung anbieten müssen. Denn falls sie Griechenland unterjochen oder demütigen, dann würden sie genau das Gegenteil erreichen.

Vor dem europäischen Gipfeltreffen am 25. Juni gibt sich Tsipras optimistisch: “Angesichts der umfassenden griechischen Vorschläge bin ich zuversichtlich. Wir werden einen Kompromiss erreichen, mit dem die Eurozone und Griechenland die Krise überwinden werden können.”

Doch die Verhandlungen scheitern. Am 26. Juni lehnt Griechenland den Vorschlag der Geldgeber ab. Tsipras spicht von Erpressung: “Die Europäische Union beruht auf Demokratie, Gleichheit und Respekt. Die Prinzipien der EU sind nicht Erpressung und Ultimaten.”

Zurück in Athen wendet er sich das griechische Volk. Die Bürger sollen per Referendum entscheiden, ob sie die Sparauflagen der internationalen Gläubiger akzeptieren oder nicht. Die Griechen sind am Zug.