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UNHCR: Immer mehr Flüchtlinge in Europa

Das krisengeschüttelte Griechenland hat nicht nur ein Geldproblem. Jetzt ist es auch das europäische Land, das den heftigsten Ansturm illegaler

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UNHCR: Immer mehr Flüchtlinge in Europa

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Das krisengeschüttelte Griechenland hat nicht nur ein Geldproblem. Jetzt ist es auch das europäische Land, das den heftigsten Ansturm illegaler Migranten abbekommt. Neuen Zahlen zufolge hat Hellas inzwischen Italien überholt, was die Zahl der Personen angeht, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen.

Meinung

Griechenland würde bei einem Grexit an Attraktivität für Migranten verlieren.

Das Flüchtlingshilfswerk der UNO, das UNHCR, teilte mit, dass allein in den ersten Monaten dieses Jahres fast 70.000 illegale Migranten in Griechenland angekommen seien, das sind mehr, als Italien im selben Zeitraum zu verkraften hatte.

Vergangenes Jahr erreichten weit mehr als 220.000 Bootsmigranten Europa, von denen drei Viertel in Italien ankamen. Inzwischen haben die Flüchtlinge aber auch andere Orte Europas als Ankunftsstellen ausgemacht.

Ein Grund dafür, warum immer mehr illegale Migranten über den Seeweg nach Griechenland kommen, könnten die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen an den Landgrenzen Griechenlands und Bulgariens zur Türkei sein. Diese erschweren es den Zuwanderern, wie bisher über die Grüne Grenze nach Europa zu gelangen.



Infografik: Ankunft illegaler Migranten in Italien/Griechenland gegenüber Todesfällen


Zahl der Bootsflüchtlinge, die Italien und Griechenland im ersten Halbjahr 2015 erreicht haben.

Todesfälle unter Bootsflüchtlingen haben sich deutlich verringert dank der aufgestockten Rettungsmaßnahmen der Europäer.

Quelle: UNHCR



Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres kamen bereits 140.000 Migranten über das Mittelmeer nach Europa. Zum Vergleich: Von Januar bis Juni 2014 kamen rund 80.000 Personen. Ein Abflauen dieses Ansturms auf Europas Küsten ist nicht abzusehen, ganz im Gegenteil: Laut dem UNHCR wird die Zahl illegaler Migranten im Laufe des Jahres noch zunehmen.

Der Bericht des UNHCR hält auch fest, dass durch die aufgestockte Seerettung der Europäer weniger illegale Migranten auf der Überfahrt ums Leben kommen. Im April dieses Jahres einigten sich die EU-Staaten darauf, die Gelder für die Triton-Mission für Flüchtlinge zu verdreifachen. Bis April kamen etwa 1.500 illegale Bootsflüchtlinge ums Leben.

Triton hat vergangenen November Italiens bis dahin aktive Rettungs-Operation Mare Nostrum ersetzt. Flüchtlinge, die zumeist von Nordafrika aus losfahren, werden seither teils nur wenige Kilometer von der nordafrikanischen Küste von den Rettern aufgenommen und nach Europa gefahren. Dieser Umstand, so fürchten skeptische Stimmen wie die des britischen Innenministeriums, schaffe nur noch mehr Probleme. Denn die Aussicht auf eine schnelle Rettung ermutige noch mehr Menschen, auf illegalem Wege nach Europa zu reisen. Außerdem, so mahnen Kritiker, müssten auch die Folgen des Zustroms illegaler Migranten für Europas Gesellschaften und Sozialsysteme bedacht werden.

Laut dem UNHCR kam jeder dritte Flüchtling aus Syrien. Eine große Anzahl stammte aber auch aus Afghanistan und Eritrea.

Welche Folge hätte ein Grexit für die illegale Migration?

Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone scheint derzeit ein durchaus mögliches Szenario zu sein. Andreia Ghimis vom European Policy Centre= meint, dies könne den Migrationsdruck auf Italien und Spanien deutlich erhöhen. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Griechenland für die Fliehenden nicht das Hauptziel ist: Sie haben en gros die reicheren Staaten im Norden Europas im Visier.

“Für 90 Prozent der Asylbewerber ist Griechenland lediglich ein Durchgangsland”, so Ghimis. “Es ist an sich kein attraktives Ziel. Bei einem Grexit würde das Land noch mehr an Attraktivität für Migranten verlieren. Ein Grexit würde womöglich auch dazu führen, dass mehr Griechen in andere EU-Länder auswandern, was dann die Debatte um die Personenfreizügigkeit verschärfen könnte. Außerdem würde es der populistischen Rhetorik über den sogenannten Sozialhilfetourismus Auftrieb geben.”

Marc Pierini von der Denkfabrik Carnegie Europe sieht es so: “Zweifellos wird sich eine weitere Sparpolitik negativ auf die öffentlichen und privaten Ausgaben, die Flüchtlingen zukommen, auswirken. Syrische Flüchtlinge, die in Griechenland ankommen, haben es dann zum einen mit einer immer schlechter werdenden Lage im Heimatland zu tun, und sie erhalten weniger Geld, wenn sie in Griechenland ankommen.”