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Guggenheim in Helsinki?

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Guggenheim in Helsinki?

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Als Modell existiert es bereits, das künftige Guggenheim Museum in Helsinki. Noch ist das rund 130 Millionen Euro teure Projekt nicht gebaut, sorgt

Als Modell existiert es bereits, das künftige Guggenheim Museum in Helsinki. Noch ist das rund 130 Millionen Euro teure Projekt nicht gebaut, sorgt aber schon jetzt, kaum dass die Gewinner des internationalen Wettbewerbs bekannt gegeben wurden, für Kontroverse. 1.715 Beiträgen aus 77 Ländern waren im Rennen. Das japanisch-französische Architektenteam Hiroko Kusunoki und Nicolas Moreau konnte sich durchsetzten.

Hiroko Kusunoki: “Offenheit und Transparenz lautet das Konzept.
Hiroko Kusunoki: “Mit menschlichen Dimensionen!”
Nicolas Moreau: “Es geht auch darum, wie die Stadt und das Museum zusammenpassen. Deswegen heißt das Projekt ‘Art in the City’.”

Der Entwurf von Moreau Kusunoki basiert auf zehn einzelnen Gebäuden, darunter ein 45 Meter hoher Turm. Die Struktur soll an ein Dorf mit geschwärzten Holzfassaden erinnern.

Richard Armstrong, Direktor der Solomon R. Guggenheim Foundation: “Es respektiert das Stadtbild und vor allem den starken Bezug zur Holztradition das ist gewissermaßen das Rückrad Finnlands. Es hat eine enge Verbindung zum Meer, der andere wichtige für Finnland charakteristische Aspekt.”

Mark Wigley, Juryvorsitzender und ehemaliger Dean der Architekturfakultät der New Yorker Columbia Universität: “Es sieht so aus, als wäre es schon immer hier. Das ist sehr wichtig, ein Projekt umzusetzen, das offensichtlich zu Finnland gehört, aber dennoch völlig neu ist.”

Mit dem Museum kommen auf die Stadt nicht nur Baukosten, sondern auch Lizenzgebühren in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro für die Guggenheim Stiftung zu. Reine Geldverschwendung sagen die Kritiker, die sich außerdem darüber ärgern, dass kostbare Baufläche im Hafen von Helsinki geopfert wird.

Kaarin Taipale, Stadträtin und Guggenheim-Gegnerin: “Es ist extrem ungerecht, denn die Stadt muss alles aus eigener Tasche bezahlen. Nicht nur den Bau und die gratis zur Verfügung gestellte Baufläche, sondern auch die Betriebs-, Personal- und Wartungskosten, ein Gesamtbudget von 7 Millionen Euro pro Jahr. Und das in einer Zeit, in der in allen anderen Bereichen gekürzt wird.”

Helsingin Sanomat, Finnlands größte Tageszeitung, hat seit Ende 2012 mehrere Umfragen durchgeführt, die jedes Mal die überwiegend ablehnende Haltung der Bevölkerung bestätigten.
Die neue finnische Regierung fährt einen strengen Sparkurs mit Auswirkungen auf den viel gerühmten Sozialstaat.

Hanna Mahlamäki, Helsingin Sanomat:
“Das Guggenheim-Konzept kommt Finnland teuer zu stehen lautet die Meinung der Befragten. Und viele glauben nicht, dass die Einkünfte die Ausgaben ausgleichen können. Sie sind skeptisch. Ein Kunstmuseum ist nicht unbedingt die erste Investition, die den Menschen in den Sinn kommt. Es herrschen wie auch andernorts schwierige Zeiten.”

Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, organisierten die Guggenheim-Befürworter eine öffentliche Vorstellung des Siegerprojekts in Anwesenheit der Architekten mit anschließender Debatte über das neue Museum.

“Ich denke, es ist eine große Ehre und eine große Chance für Helsinki, das Guggenheim Museum hier herzuholen, hoffentlich klappt es”, seufzt ein finnischer Geschäftsmann nach der Veranstaltung.

Architekt Omer Kanipak ist da anderer Meinung. “Das ist natürlich ein attraktives kulturelles Markenzeichen, aber Finnland hat seine eigenen großen Namen. Für dieselbe Summe könnten wir unsere eigene Kulturmarke schaffen, wir sollten darüber nachdenken.”

Als Helsinkis Stadtplaner begannen, um die Guggenheim-Lizenz zu buhlen, dachten sie an den viel zitierten Bilbao Effekt. Der spektakuläre, von Frank Gehry konzipierte Bau bescherte der maroden Stadt im Baskenland wirtschaftlichen Aufschwung. Politisch abgesegnet ist das Projekt in Helsinki allerdings immer noch nicht. Guggenheim-Gegner haben derweil ihren eigenen Wettbewerb mit Alternativvorschlägen durchgeführt.