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Interview: Varoufakis wirft Gläubigern "Terrorismus" und "Erpressung" vor

In Athen haben sich Kabinettsmitglieder und Vertreter der Regierungspartei am Samstagnachmittag ein letztes Mal mit Ministerpräsident Alexis Tsipras

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Interview: Varoufakis wirft Gläubigern "Terrorismus" und "Erpressung" vor

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In Athen haben sich Kabinettsmitglieder und Vertreter der Regierungspartei am Samstagnachmittag ein letztes Mal mit Ministerpräsident Alexis Tsipras zusammengesetzt. Die Regierung rät den rund 9,8 Millionen Wahlberechtigten, beim Referendum für “Oxi” – also “Nein” – zu stimmen. Dies würde laut Finanzminister Yanis Varoufakis zu einem “besseren Deal für Griechenland” führen.

Den Gläubigern warf Varoufakis in einem heute veröffentlichten Interview Erpressung und Terrorismus vor. “Was sie mit Griechenland machen, hat einen Namen: Terrorismus”, sagte Varoufakis der spanischen Zeitung El Mundo. “Europa hat beschlossen, uns zu erpressen, damit wir einen Vertrag unterschreiben, der für niemanden gut ist”, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Varoufakis hatte in der vergangenen Woche im Falle einer Niederlage seinen Rücktritt angekündigt – Tsipras hatte seinen angedeutet.

Die Opposition wirbt dagegen für ein “Nai”, also “Ja” der Wähler – in diesem Fall will die Regierung nach eigenen Angaben den letzten Vorschlag der Geldgeber zu Sparmaßnahmen unterschreiben. In Brüssel macht man die Zukunft der Athener rechts-links Regierungskoalition von dem Ausgang der Abstimmung abhängig. Sollte das Ja-Lager gewinnen, dann könnte es zu Neuwahlen in Griechenland kommen.

In den Wahllokal wurden am Samstagabend die letzten Vorbereitungen gemacht: Ab sechs Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (sieben Uhr Ortszeit in Athen) wird es ernst: Die Lokale öffnen und das griechische Volk hat die Möglichkeit, sich zu den Sparvorgaben der Gläubiger zu positionieren.

Letzte Umfragen lassen keine Vorhersagen über den Ausgang der Abstimmung zu: 44,8 Prozent der Befragten gaben an, sie würden mit Ja stimmen, 43,4 Prozent mit Nein. Der Rest sei noch unentschieden.

Vor den Bankautomaten bildeten sich auch am Samstag wieder lange Schlangen: Aus Angst den Banken könne das Geld ausgehen, gilt weiter ein Abhebe-Limit von 60 Euro pro Tag.

Nach dem Referendum hofft die Athener Regierung nach eigenen Angaben auf eine schnelle Einigung mit den Geldgeber-Instituten. In Brüssel hält man dies für unwahrscheinlich…