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Griechische Patienten machen sich auf bittere Pillen gefasst

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Griechische Patienten machen sich auf bittere Pillen gefasst

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Griechenland importiert fast alle wichtigen Arzneien aus dem Ausland. Jetzt werden erste Engpässe registriert.

Zwar versuchte der griechische Herstellerverband SFEE noch vor Tagen den Ball flach zu halten – es gebe derzeit keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Die Ausgaben für Medizinimporte zählen zu den wenigen Überweisungen, die trotz des eingeschränkten Geldverkehrs mit dem Ausland vorrangig genehmigt werden.

Apothekerin Georgia Psahoulia:

“Die Leute kaufen nur noch das Nötigste an Medikamenten, weil sie jeden Tag nur maximal 60 Euro abheben können. Dies bedeutet also, auch ein Patient kauft nichts auf Vorrat. Nur das, was nötig ist.”

Man werde die Patienten in Griechenland keinesfalls im Stich lassen, schrieb der europäische Pharmaverband EFPIA an die EU-Kommission. Aber schon jetzt steht das griechische Gesundheitssystem bei den weltweiten Arzneiherstellern mit gut 1,1 Milliarden Euro – für unbezahlte Rechnungen seit Dezember – in der Kreide.

Ilias Sioras, Kardiologe und Leiter des Evangelismos-Krankenhauses, Athen:

“Die Probleme sind altbekannt. Hier im Krankenhaus wissen wir, wir haben nur Geld für zwei Monate Versorgung. Natürlich haben sich diese Probleme in den letzten Tagen verschärft, mit den geschlossenene Banken.”

Völlig unklar sei bisher, wie die EU im Falle eines Grexit die medizinische Versorgung des Landes sicherstellen wolle, monierte Richard Bergström, Chef des europäischen Pharmaverbandes (EFPIA). Ein Grexit aus dem Euro und eine neue Währung würden die Preise für Importarzneien regelrecht explodieren lassen.

Seit dem Ausbruch der Krise vor fünf Jahren hat das Land nicht nur einen enormen Wegzug von qualifiziertem Personal erlitten – viele Ärzte und Krankenschwestern haben ihrer Heimat aus Frust über die Dauerkrise den Rücken gekehrt. Angesichts der grassierenden Massenarbeitslosigkeit – die Arbeitslosenquote liegt mittlerweile bei fast 26 Prozent – fehlt in vielen Familien schlicht das Geld, um sich teure Medikamente oder Arztbesuche leisten zu können. Verschärft wird das Problem noch dadurch, dass in Griechenland jeder Bürger nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nicht nur aus der Sozialhilfe herausfällt, sondern auch noch seine Krankenversicherung verliert.

su mit dpa