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Chinas Aktionäre haben sich verzockt

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Chinas Aktionäre haben sich verzockt

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Die chinesische Börsenaufsicht hat wegen akuter Verkaufspanik den Handel mit 500 weiteren Aktienwerten ausgesetzt, nach ähnlich drastischen Maßnahmen in den vergangenen Tagen. Damit können nun fast die Hälfte aller an den Börsen Shanghai und Shenzen notierten Dividendenpapiere weder ge- noch verkauft werden. Die Panik weitete sich auf die Börsen in den Nachbarländern aus und stürzte auch die Rostoffmärkte in Turbulenzen. Die Erschütterung des Börsenbebens waren bis nach Europa spürbar. “Man kann sich den Sturzhelm schon mal anziehen”, warnte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research, Frankfurt.

Am Devisenmarkt flüchteten viele Anleger in den japanischen Yen, der als “sicherer Hafen” Asiens gilt. Die Preise für Eisenerz und Stahl fielen in China auf ein Rekordtief.

Im Sog der chinesischen Aktienmärkte rutschte der Nikkei-Index der Tokioter Börse um 3,1 Prozent ab. Unter die Räder kamen in Japan vor allem Unternehmen mit engen Geschäftsbeziehungen zu China, zum Beispiel Baufirmen. In Deutschland traf es die Autobauer besonders hart, für die China der wichtigste Absatzmarkt ist. BMW, Daimler und Volkswagen gehörten mit Kursverlusten von bis zu 2,8 Prozent zu den größten Verlierern im Dax.

Der für Festland-China wichtige Shanghaier Aktienmarkt war nochmal um sechs Prozent eingebrochen und hat damit binnen drei Wochen rund ein Drittel seines Werts verloren. Das ist das größte Minus seit mehr als 20 Jahren. Wang Feng, Mitgründer und Chef des Hedgefonds Alpha Squared Capital, Ohio/USA, sprach von Panikverkäufen. “Das Problem ist, dass alle Marktteilnehmer in dieselbe Richtung drängen und zu emotional reagieren.”

Am Wochenende hatten die 21 größten Börsenmakler des Landes angekündigt, zur Stützung der Kurse gemeinsam mindestens 17,3 Milliarden Euro in Wertpapiere zu investieren. Im Gegenzug erhalten sie billiges Geld von der chinesischen Zentralbank. Seither hat der Shanghaier Index allerdings weitere 13 Prozent verloren. In Japan waren ähnliche Bemühungen in den 1990er Jahren erfolglos geblieben.

Die Verluste treffen 90 Millionen Aktionäre, die oft auf Pump gekauft haben – mehr als die regierende kommunistische Partei Mitglieder hat (87,8 Millionen).

Bislang führen die Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen noch nicht zu Problemen in Chinas Wirtschaft. “Wir erwarten aber ein geringeres Wachstum, niedrigere Unternehmensgewinne und ein höheres Risiko einer Finanzkrise”, erklärten Analysten der Bank of America Merrill Lynch, USA. Die Essener National-Bank verwies darauf, dass in China vor allem Kleinanleger – meist auf Kredit – an der Börse spekuliert hätten. Die Kurse hatten sich seit dem Spätherbst mehr als verdoppelt. Weil die Privatanleger nun wegen der enormen Wertverluste weniger Geld zur Verfügung haben, rechnen viele Experten mit einem Rückgang des Konsums.

su mit dpa, Reuters