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Gehackte Hacker: Wissenswertes über den Fall "Hacking Team"

Ein italienisches Unternehmen mit dem Namen “Hacking Team” ist am 6. Juli selbst Opfer von Hackern geworden. 400 Gigabites interner Dokumente des

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Gehackte Hacker: Wissenswertes über den Fall "Hacking Team"

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Ein italienisches Unternehmen mit dem Namen “Hacking Team” ist am 6. Juli selbst Opfer von Hackern geworden. 400 Gigabites interner Dokumente des Softwareentwicklers fanden sich plötzlich im Internet wieder – das entspricht etwa der Datenkapazität von 570 CDs.

“Hacking Team”, mit Sitz in Mailand, entwickelt Software, die von Polizei und Sicherheitsdiensten eingesetzt wird, um Telefone und Computer anzuzapfen. Zu den besten Kunden zählen Mexiko, Italien, Marokko und Saudi Arabien.

Alle Kunden wurden von Hacking Team aufgefordert, die Arbeit mit der Abhörsoftware vorerst einzustellen.

Eine Firma, die sich auf das Hacken spezialisiert hat wird also selbst gehackt. Ein paar interessante Fakten zu dem Fall:

  • Nach eigenen Angaben von Hacking Team kann durch die durchgesickerten Informationen der Hacker jeder Interessierte die Software zu Abhörzwecken nutzen.
  • Reporter Ohne Grenzen listet “Hacking Team” in dem “Bericht “Feinde des Internets” von 2013”:https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/docs/enemies_of_the_internet_2013_01.pdf. Grund ist hauptsächlich das Programm “Da Vinci”, mit dem unter anderem Mikrophone von Smartphones zum Abhören aktiviert werden können.
  • Nach Angaben der publizistischen Webseite The Intercept, die sich der Aufarbeitung der Edward Snowden- Dokumente widmet, werden mit Hilfe der Software von Hacking Team unter anderem Organisationen wie Human Rights Watch und Citizen Lab überwacht.
  • Die Europaabgeordnete Marietje Schaake hat ihre Bedenken bezüglich der Firma “Hacking Team” bei der EU-Komission eingereicht. Ihrer Meinung nach könnte das Unternehmen EU-Sanktionen gegen den Sudan und Russland verletzt haben, indem es beiden Ländern Spähprogramme verkauft haben soll. Ihre Position erklärt sie “in ihrem Blog”:http://www.marietjeschaake.eu/2015/07/blog-hacking-team-company-at-receiving-end-of-hacks/
  • Das Unternehmen gibt selbst an, mit der Spähsoftware keine Gesetze zu brechen, sie handle im Gegenteil sogar “ethisch völlig verantwortlich, so ein Sprecher von “Hacking Team” in der International Business Times”:http://www.ibtimes.co.uk/hacking-team-we-have-broken-no-laws-acted-completely-ethicially-1509740
  • Auf der eigenen Internetseite bewirbt “Hacking Team” seine Produkte mit den Worten “Absolute Kontolle ihrer Zielobjekte. Zeichnen Sie alles mit was Sie interessiert. Jederzeit. Wo auch immer Sie sind.”
  • Über ihren Twitter-Account macht “Hacking Team” auf Verstöße gegen Computer- und Netzwerksicherheit aufmerksam und unterstreicht die Sicherheit von Überwachungssystemen
  • Ungarn ist seit 2008 Kunde von “Hacking Team”. Laut eigener Aufzeichnung der Firma haben zwei ungarische Geheimdienst-Abteilungen die Programme des Unternehmen in Anspruch genommen. Die Verträge mit den Abteilungen sind auch von den Hackern ins Netz gestellt worden. Insgesamt soll Ungarn so 1.9 Millionen Euro an “Hacking Team” gezahlt haben, unter anderem für das Spähprogramm Remote Control System (RCS). Damit ist das Land der sechstgrößter Kunde von “Hacking Team” weltweit.
  • Nach Angaben der Organisation Privacy International gehören die folgenden Länder zu den Kunden des von “Hacking Team”: Ägypten, Äthiopien, Marokko, Nigeria, Sudan, Chile, Kolumbien, Ecuador, Honduras, Mexiko, Panama, die Vereinigten Staaten , Aserbaidschan, Kasachstan, Malaysia , der Mongolei, Singapur, Südkorea, Thailand, Usbekistan, Vietnam, Australien, Zypern, Tschechien, Deutschland, Ungarn, Italien, Luxemburg, Polen, Russland, Spanien, Schweiz, Bahrain, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.