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Srebrenica: ein Marsch für die Erinnerung

Das Laufen ist für Sie wie eine Therapie. Drei Tage werden sie marschieren, nach Srebrenica, dem Ort des schlimmsten Kriegsverbrechens in der Geschichte Europas seit dem 2. Weltkrieg.

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Srebrenica: ein Marsch für die Erinnerung

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Das Laufen ist für Sie wie eine Therapie. Drei Tage werden sie marschieren, nach Srebrenica, dem Ort des schlimmsten Kriegsverbrechens in der Geschichte Europas seit dem 2. Weltkrieg.

Meinung

Wir wurden schon am ersten Tag nach der Flucht aus Screbrenica angegriffen und es war wirklich schrecklich.

Die Route ist derselbe Weg, den die 14.000 muslimischen Bosniaken, die aus Srebrenica vor den Serben geflohen waren, vor 20 Jahren genutzt haben. Nur laufen die Teilnehmer dieses Friedensmarsches den Weg heute in die andere Richtung – nach Srebrenica zurück.

“Man geht wieder einen Weg, den man schon einmal gegangen ist, man trifft auf seine Vergangenheit. Du läufst und läufst und bist müde und dann fällst du fast hin. Doch in diesem Moment erinnerst man sich. Ich erinnere mich an einen Mann, der an beiden Beinen verletzt war und der 1995 auch mitgelaufen ist. Er lief und er weinte, aber er lief immer weiter,” erzählt sichtlich gerührt der Initiator des Friedensmarsches Djile Omerovic. Er hatte sich mit 21 Jahren zwei Monate lang im Wald versteckt, bevor er endlich die freie Zone erreichte.

Auch Pilav Ilijaz ist vor den serbischen Soldaten geflohen, die im Juli 1995 rund um Screbrenica 8000 Muslime, vor allem Männer und Jungen, getötet haben: “Wir wurden schon am ersten Tag nach der Flucht aus Screbrenica angegriffen und es war wirklich schrecklich. Sie haben neben normalen Waffen auch Giftgas gegen uns eingesetzt.”

Jeder Dritte der insgesamt 8000 Toten von Srebrenica wurden hier auf und entlangdieser Straße getötet. Nur ein Drittel der Flüchtlinge hat diese Menschenjagd überlebt. Seit 2005 marschieren tausende von Menschen auf diesem geschichtsträchtigen, von Gedenktafeln gesäumten Weg.

Unsere euronews-Korrespondentin Laurence Alexandrowicz, die auch mitläuft erkärt die vielen Einsatzkräfte vor Ort wie folgt: “Dieses Ereignis wird von einem großen Sicherheitsaufgebot begleitet, denn wie jedes Jahr gab es Drohungen von serbischen Radikalen. Diese haben unter anderem heftige Demonstrationen angekündigt, sollten die Läufer Flaggen der Terrormiliz “IS” tragen. Damit werfen sie diese muslimischen Pilger, die einen Friedensmarsch veranstalten, mit Terroristen in einen Topf.”

Die Läufer hier sind nicht nur muslimische Bosniaken. Auch einige Ausländer marschieren mit und wollen damit an das Massaker, das die UN als Genozid bezeichnet, erinnern. So auch der in Canada lebende Indonesier Ridho: “Die Leute sind sehr froh, dass wir da sind. Sie denken, dass dieses Drama nicht genug wahrgenommen wird. Sie schätzen es wirklich sehr, dass hier auch Ausländer mitlaufen.”

Am Ende des Friedensmarsches werden die 500 Überlebenden des Massakers, die hier dabei sind, den Zug anführen. An diesem Samstag werden sie zum 20.Jahrestag des Massenmordes in der Gedenkstätte Potocari in Screbrenica ankommen.

Mehr Infos zum Massaker von Srebrenica finden Sie hier einen Radiobeitrag von Deutschlandfunk auch in der Printversion gibt es “hier.”: http://www.deutschlandradiokultur.de/20-jahre-nach-dem-bosnien-krieg-im-schatten-von-srebrenica.979.de.html?dram:article_id=324917