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Politik und Medien reagieren völlig unterschiedlich auf Griechenland-Deal

Die politische Führung Europas bewertet die in Brüssel erreichte Einigung als einen Erfolg. “Bei diesem Kompromiss gibt es keine Gewinner und keine

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Politik und Medien reagieren völlig unterschiedlich auf Griechenland-Deal

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Die politische Führung Europas bewertet die in Brüssel erreichte Einigung als einen Erfolg. “Bei diesem Kompromiss gibt es keine Gewinner und keine Verlierer”, so EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. “Ich glaube nicht, dass das griechische Volk gedemütigt wurde, und der Rest Europas ist nicht gescheitert. Es ist eine typisch europäische Einigung.”

Der französische Premierminister Manuel Valls lobt nicht nur den Brüsseler Deal sondern auch die Rolle, die sein Land gespielt hat: “Diese Vereinbarung ist ein historischer Augenblick”, so Valls. “Griechenland gehört zu Europa und Frankreich hat von Anfang an seinen Beitrag dazu geleistet.”

Valls spanischer Amtskollege Mariano Rajoy fordert eine Reform der europäischen Institutionen.
Spanien hat selbst schmerzhafte Reformen umgesetzt, um sich aus der Finanzkrise zu befreien, was der europafeindlichen Podemos-Partei Auftrieb gegeben hat. Deren Führer Pablo Iglesias kritisiert die mit Griechenland vereinbarten Maßnahmen: “Wir unterstützen das griechische Volk und seine Regierung gegen die Mafiosi”, so Iglesias.

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel gelobt Solidarität mit Griechenland und tweetet: “Vertrauen und Verantwortung gehören zusammen.”

Medienreaktionen

Die internationale Presse bewertet den Griechenland-Deal weit negativer. Die griechische Presse bemüht weiterhin Vergleiche mit dem Zweiten Weltkrieg. Die konservative Zeitung Dimokratia betrachtet die Reformpläne als Abtransport nach Auschwitz. Die linke Zeitung Efimerida ton Syntakton titelt: “Schäuble ordnet Versenkung Griechenlands an”.

@NickMalkoutzis, der stellvertretende Chefredakteur der enlischen Version von Kathimerini, tweetet: “Die Führung der Eurozone mag im letzten Moment den Sieg davon getragen haben, aber die schmutzige Art, wie dies erreicht wurde, hat viel Gift verbreitet.”

Das Londoner Finanzblatt City AM schreibt: “Griechenlands Demütigung enthüllt die Lügen im Kern der Europäischen Union.”

Die Financial Times urteilt: “Griechenlands brutale Kreditgeber haben das Projekt Eurozone zerstört.”

Auch die BBC kommt zu einem sehr negativen Urteil: Der weitverbreitete Eindruck, dass Berlin und Brüssel strenge Fiskalpolitik und das Zurückzahlen von Schulden höher bewerten als das Schicksal einer Nation und selbst das langfristige Überleben des Euro wird der Eurozone und der gesamten EU eine bittere Ernte bescheren.”

Der britische Guardian titelt: “Europa nimmt Rache an
Tsipras” und der Wirtschaftsdienst Bloomberg Business urteilt: “Tsipras kapituliert vor den Forderungen der Kreditgeber”.

Kritische Bewertungen finden sich auch in den US-Medien. “Deutschland will Griechenland nicht retten sondern erniedrigen”, schreibt die Washington Post.

#ThisIsACoup

Viele Twitter-Nutzer halten die Reformen, die Griechenland auferlegt wurden, für einen Staatsstreich.

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