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Tschad: Die lange Aufarbeitung der Habré-Herrschaft

In Djamena, der Hauptstadt des Tschad, hat die Vereinigung der Opfer der Habré-Herrschaft ihren Sitz. 25 Jahre nach dem Sturz des Machthabers wollen

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Tschad: Die lange Aufarbeitung der Habré-Herrschaft

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In Djamena, der Hauptstadt des Tschad, hat die Vereinigung der Opfer der Habré-Herrschaft ihren Sitz. 25 Jahre nach dem Sturz des Machthabers wollen die Menschen, die unter der Diktatur litten und sie überlebten, Gerechtigkeit. Clément Abaifouta, der Vorsitzende der Opfer-Vereinigung saß während Hissène Habrés Amtszeit vier Jahre lang im Gefängnis.

“Es wäre das erste Mal, dass ein afrikanisches Staatsoberhaupt für die Grausamkeiten verurteilt werden würde, die es während seiner Amtszeit begangen hat. Das muss eine Lektion sein, denn was bringt sonst der lange Weg der vergangenen 25 Jahre? Das wäre dann ein Schlag ins Wasser”, so Abaifouta.

Auch Ginette Ngarbaye, eine Mitarbeiterin der Opfer-Vereinigung, wird vor Gericht aussagen. Sie berichtet davon, während der Haft gefoltert und vergewaltigt worden zu sein. Seit Jahren quälen sie dieselben Fragen. Vor Gericht hofft sie auf Antworten.

“Man wurde auf dem Markt, in der Kirche, bei der Arbeit oder auf der Straße geschnappt. Bis heute weiß ich nicht, warum ich verhaftet wurde. Das ist wohl die Schlechtheit des Menschen. Ich muss wissen, warum ich verhaftet wurde”, sagt Ngarbaye.

Rechtsanwalt Reed Brody hat bereits Opfer des Regimes des chilenischen Generals Augusto Pinochet und des haitanischen Herrschers Jean-Claude “Baby Doc” Duvalier vertreten. Seit 1999 beschäftigt er sich mit der Aufarbeitung des Falls Hissène Habré.

“Dieser Fall zeigt, dass Überlebende mit Hartnäckigkeit, Ausdauer und Ideenreichtum einen Diktator zur Rechenschaft ziehen können. Das ist eine starke Botschaft. Dass die Opfer es geschafft haben, Hissène Habré vor Gericht zu bringen, sollte andere Opfer auf der ganzen Welt inspirieren. Darauf hoffen wir.”

Mahamat Hassan Abakar leitet die Untersuchungskommission im Tschad. Er sagt, Hissène Habré und andere autoritäre Herrscher in afrikanischen Staaten hätten teils direkte, teils indirekte Helfer gehabt.

“Wenn all die Diktatoren nicht die Unterstützung des Westens gehabt hätten, hätten sie nicht so weit gehen können”, so Abakar. “Habré wurde damals von den USA unter Reagan fast adoptiert. Der hat ihn als den großen Verteidiger Schwarzafrikas gegen die Expansion der Ghaddafi-Getreuen angesehen. Was das Leben der Bürger im Land angeht, haben sie die Augen geschlossen”, sagt er.

Auch die Gegenseite verdächtigt den Westen. Die Ehefrau von Hissène Habré sagt, die USA und europäische Staaten forderten ihren Mann als Opfer, um Afrika weiterhin ausbeuten zu können.#