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Saif al-Gaddafi: Die gefallene Reform-Hoffnung


Libyen

Saif al-Gaddafi: Die gefallene Reform-Hoffnung

Saif al-Islam al-Gaddafi, Muammar al-Gaddafis zweiter Sohn, wurde einst als möglicher Reformer Libyens wahrgenommen. Zwischen 2000 und dem Beginn des Aufstands 2011 spielte er eine wichtige Rolle bei der Annäherung seines Landes an den Westen.

1972 wurde Saif geboren und studierte unter anderem in Österreich und Großbritannien. 2003 war er an den Verhandlungen beteiligt, die dazu führten, dass Libyen ein Atomwaffenprogramm aufgab.

Alles änderte sich Anfang 2011, als es im ostlibyschen Bengasi zu regierungsfeindlichen Protesten kam. Saifs Rolle beim Vorgehen der Regierung gegen die Demonstranten brachte ihm einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein.

Als die Nato im März drohte, militärisch einzugreifen, sagte Saif in Richtung Westen: “Die Franzosen und Europäer sollten mit dem libyschen Volk sprechen. Vor zwei Tagen waren Tausende Menschen in den Straßen und auf den Plätzen, am frühen Morgen. Das ist das wahre Bild Libyens. Das sind die wahren Libyer. Wenn sie die Milizen unterstützen wollen, sollen sie es tun. Aber ich sage ihnen jetzt, sie werden verlieren, wir werden gewinnen.”

In einem Interview mit euronews erhob Saif al-Gaddafi schwere Vorwürfe gegen des damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der die Aufständischen unterstützte.

“Sarkozy muss das Geld zurückzahlen, das wir ihm zur Finanzierung seines Wahlkampfes gegeben haben. Wir haben seinen Wahlkampf finanziert, wir haben detaillierte Belege dafür und sind bereit, alles preiszugeben. Das erste, was wir von diesem Clown wollen, ist also unser Geld. Wir haben es ihm gegeben, weil er dem libyschen Volk geholfen hat. Aber er hat uns enttäuscht. Gib uns das Geld zurück. Wir haben alle Details hier, die Bankkonten, die Überweisungsformulare und wir werden das alles bald veröffentlichen.”

Als die Rebellen sich, unterstützt durch westliche Luftschläge, der Haupstadt Tripolis näherten, schwor Saif, bis zum Ende gegen die Aufständischen zu kämpfen, die er als Terroristen bezeichnete.

“Niemand soll denken, dass wir nach all unseren Opfern und dem Martyrium unserer Söhne, Brüder und Freunde, aufhören werden zu kämpfen. Vergesst es!”

Drei Monate war Saif schließlich auf der Flucht, dann, am 19. November 2011, wurde er in Südlibyen aufgegriffen und ins Gefängnis von Zintan gesperrt. Einen Monat zuvor war sein Vater Muammar in dessen Geburtsstadt Sirte von Rebellen misshandelt und umgebracht worden.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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