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Pennies: Betteln hinter dem israelischen Grenzzaun

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Pennies: Betteln hinter dem israelischen Grenzzaun

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Langzeit-Doku über Kinder, die für das Überleben ihrer Familie betteln müssen

Betteln auf der Straße ist Arbeitsalltag für die beiden Jungs Yichia und Hamam, acht und 14 Jahre alt. Sie schlafen in Tunnels oder im Wald, eigentlich keine Orte, wo Kinder aufwachsen sollten. Yichia und Hamam sind Geschwister aus einer palästinensischen Familie. Ihre Eltern leben im Westjordanland, aber Yichia und Hamam wurden nach Israel geschickt, um zu betteln. Mit dem Geld unterstützen sie ihre Familie auf der anderen Seite des Grenzzauns.

“Dieser Film ist für mich ein soziales Bekenntnis”, sagt Regisseur Badran Badran. “Er diskutiert nicht die Politik. Aber für die Familie ist der Sicherheitszaun zwischen Israel und dem Westjordanland das alles bestimmende Problem. Der Vater kann nicht in Israel arbeiten und die Familie verarmt. Aber wer ist für die Situation der Kinder verantwortlich? Sie sind die Opfer und gezwungen, auf der Straße zu betteln, anstatt in die Schule zu gehen.”

Schlepper brachten die Jungs über die Grenze nach Israel. Dort werden sie von Drückern überwacht, die dafür 90 Prozent des erbettelten Geldes einbehalten.
Ein Leben, mit dem sich gerade der jüngere Bruder Hamam nicht mehr abfinden will. Er rebelliert, will wie andere Kinder spielen und nicht das Bettelhandwerk von seinem Bruder lernen.

Acht Jahre hat der arabisch-israelische Regisseur Badran Badran die beiden begleitet. Er zeigt, wie Hamam zum rebellischen Jugendlichen wird und wie der 14-jährige Yichia viel zu früh erwachsen werden muss.

“Die erste Herausforderung waren die Drücker, die Chefs, unter deren Aufsicht die Kinder auf der Straße betteln. Immer, wenn jemand mit einer Kamera kam, wurde er verprügelt. Ich habe zwei Jahre gebraucht, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Es war auch schwierig, die Menschen in den Autos zu filmen, einige wollten das nicht. Und ich musste die Kinder an die Kamera gewöhnen, damit sie sich natürlich verhalten. Am Ende ist die Kamera zu einem Teil ihres Lebens geworden.”

Herausgekommen ist ein Versuch des “Cinema Verité”, des “wahrhaftigen Kinos”, bei dem der Filmemacher möglichst nicht in die Situation vor der Kamera eingreift.

Der Film ist in den Filmmuseen in Israel zu sehen, im deutschsprachigen Raum läuft er auf ausgewählten Filmfestivals.