Eilmeldung

Eilmeldung

China-Bonanza vorbei - was nun, Autoindustrie?

Sie lesen gerade:

China-Bonanza vorbei - was nun, Autoindustrie?

Schriftgrösse Aa Aa

Holpriger Start für den neuen BMW-Chef Harald Krüger, mit schlechteren Geschäften im größten Absatzmarkt China. Der lukrativste Automobilmarkt mit 23 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2014 schwächelt – im Juni sanken Umsatz und Fahrzeugproduktion um 3,4 respective 0,7 Prozent im Vergleich zum Juni 2014. Laut China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) der erste Rückgang seit Dezember 2008.

Der bayerische Autobauer verkaufte zwar im zweiten Quartal deutlich mehr Fahrzeuge seiner drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce. In China, wo BMW rund ein Fünftel seiner Autos absetzt, sanken die Auslieferungen im Mai jedoch das erste Mal seit mehr als einem Jahrzehnt. Vor allem Rolls-Royce leidet darunter, dass zahlreiche wohlhabende Chinesen wegen Konjunkturschwäche, Börsenturbulenzen und Korruptionsermittlungen vom Kauf von Luxusautos zurückschrecken. Im zweiten Quartal sank der Gewinn vor Steuern bei BMW insgesamt um 2,7 Prozent auf 2,58 Milliarden Euro.

Auch andere können ein Lied singen von der Nomalisierung des Automarktes China: Die Zeiten, in denen VW, Audi, BMW und Daimler in China Jahr für Jahr ganz selbstverständlich zweistellig zulegten, sind vorbei. Noch im vergangenen Jahr ging ein Drittel aller von deutschen Konzernen gebauten Autos an Kunden des Riesenlandes. “Gut jedes fünfte Auto, das in China neu verkauft wird, trägt ein deutsches Konzernmarkenzeichen”, freute sich Matthias Wissmann, der Präsident des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA.))

Jetzt liegen die China-Verkäufe zum Halbjahr bei Volkswagen 4 Prozent im Minus. Dabei entfällt ein gutes Drittel des Konzernabsatzes auf China.

Der nach Volkswagen weltweit zweitgrößte Autobauer Toyota hängte zwar die Konkurrenz mit 12 Prozent Absatzplus in China in diesem Jahr ab, räumte aber ein, dort gebe es derzeit wenig Möglichkeiten, noch Geld zu verdienen.

Autoexperte Stefan Bratzel, Center of Automotive Management (CAM), Bergisch-Gladbach: “Die Frage ist, ob die Verkaufsrückgänge nur eine vorübergehende Delle sind oder ob sich das länger zieht.” China befinde sich im Übergang vom boomenden zu einem zunehmend moderat wachsenden Markt.

Teuer ist in Zeiten beißender Konkurrenz besonders der gute Rat: Auch in Brasilien und Russland – zwei wichtigen Hoffnungsmärkten – sind die Neuwagenverkäufe in den vergangenen Monaten wegen der schlecht laufenden Wirtschaft regelrecht abgestürzt.

su mit Reuters, dpa