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Vor 20 Jahren: Kroatien erobert Republik Serbische Krajina im Sturm

Am Morgen des 4. Augusts 1995 begann die kroatische Armee auf Befehl des damaligen Präsidenten Franjo Tudjman die Operation Sturm. Die Großoffensive

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Vor 20 Jahren: Kroatien erobert Republik Serbische Krajina im Sturm

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Am Morgen des 4. Augusts 1995 begann die kroatische Armee auf Befehl des damaligen Präsidenten Franjo Tudjman die Operation Sturm. Die Großoffensive richtete sich gegen die Republik Serbische Krajina und deren Hauptstadt Knin. Diese Republik kontrollierte gut ein Drittel des kroatischen Staats. 1991 hatte die mehrheitlich serbisch bewohnte Region sich selbst für unabhängig erklärt.

Die internationale Gemeinschaft erkannte diesen selbsternannten Staat nicht an, in dem der nichtserbische Bevölkerungsanteil in den Jahren seiner Existenz wegen ethnischer Säuberungen und Vertreibungen dramatisch sank. Lediglich das Serbien Slobodan Milosevics stellte sich hinter die Republik.

Nun benötigte die kroatische Armee gerade mal vier Tage, um die Kontrolle über das Gebiet zu erlangen. Eine rasante Offensive, die den Weg für das Ende des Kroatienkriegs bereitete.

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb wurde Tudjman gefeiert, der Sieg wurde als Befreiung gesehen, man hatte Milosevics Traum eines Großserbiens endgültig durchkreuzt.

Die Bilanz der Offensive Oluja (kroatisch für “Sturm”) ist allerdings sehr kontrovers: Mehr als 200.000 serbische Zivilisten flohen nach Bosnien und Serbien, in den vier Tagen kamen je nach Schätzung zwischen 700 und 1200 Menschen ums Leben. Viele Dörfer erlitten massive Beschädigungen. Der kroatische General Ante Gotovina wurde wegen Kriegsverbrechen angeklagt, auch anderen Generälen wurden schwere Vorwürfe gemacht.

Noch heute, 20 Jahre später, sind die Meinungen zur Operation geteilt, selbst in Kroatien. An diesem Montag erinnerten Teilnehmer bei einer von NGOS organisierten Kundgebung in Zagreb an alle Opfer des Konflikts, Serben und Kroaten.

Nela Pamukovic vom Zagreber Zentrum für die weiblichen Kriegsopfer: “Diese Kundgebung soll die Öffentlichkeit nicht nur an die Verbrechen, die während der Offensive begangen wurden, erinnern, sondern auch an die staatliche Vertuschung dieser Verbrechen. Mit der morgigen Militärparade scheint sich der Staat auf einen neuen Krieg vorzubereiten, ohne den letzten aufgearbeitet zu haben. Er hat keine Verantwortung übernommen, er hat die Verbrechen nicht untersucht und die Tatsachen aufgedeckt.”

Nur wenige der Menschen, die aus der Krajina geflohen sind, sind zurückgekehrt. Vor dem Krieg lag der serbische Bevölkerungsanteil Kroatiens bei 12 Prozent, heute bei etwa 4 Prozent.