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Ost-West-Sanktionsware: Verbrennen? Kompostieren? Aufessen?

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Ost-West-Sanktionsware: Verbrennen? Kompostieren? Aufessen?

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Der russische Verbraucherschutz hat die massenhafte Vernichtung von westlichen Lebensmitteln verteidigt. Die umstrittene
Maßnahme entspreche weltweiter Praxis, meinte die Behördenleiterin
Anna Popowa nach Medienberichten (“Rossijskaja Gaseta”). Russland
hatte am Jahrestag des Embargos gegen westliche Lieferanten begonnen, Hunderte Tonnen Lebensmittel zu verbrennen. Ohne Zertifikate und Papiere ins Land geschmuggeltes Essen werde vernichtet, denn es stelle eine Gesundheitsgefährdung dar, so Popowa.

Sie verwies auf den Lebensmittelkodex der
Welternährungsorganisation, wonach Nahrung beim Import in ein Land
mit umfassenden Informationen ausgestattet sein muss. “Sanktionierte
Produkte mit Dokumenten einzuführen, die ihre Qualität und Sicherheit
bestätigen, ist unmöglich”, sagte sie.

Zwei Abgeordnete der oppositionellen Partei Jabloko im Stadtrat von St. Petersburg widersprachen in einem Brief an Kremlchef Wladimir Putin: “Diese Produkte sind von höchster Qualität”, schrieben die Politiker der liberalen Partei zufolge.

Am ersten Tag wurden nach Angaben der Agraraufsicht insgesamt mehr als
300 Tonnen Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse zerstört.

Mehr als 310.000 Russen protestierten mit einer Petition im Internet dagegen – man solle das Essen lieber an die verteilen, die es nötig haben.

Das Embargo habe die Landwirtschafts-Exporte europäischer Bauern halbiert, schätzen Copa Cogeca, die landwirtschaftlichen Dachorganisationen in der Europäischen Union. Der Ausfall summiere sich in der EU auf 5,5 Milliarden Euro.

Jean-Michel Javelle, Präsident der führenden Milch-Genossenschaft Frankreichs Sodiaal Sud Est, Vienne:

“Das russische Embargo hat geopolitisch einen starken Einfluss. Es geht um rund 300.000 Tonnen Käse für Russland, im Wert von rund einer Milliarde Euro. Das ist eindeutig ein wichtiger Markt, 3 Prozent des europäischen Absatzes.”

Mit dem Importverbot für Lebensmittel hatte Moskau im vergangenen Jahr auf westliche Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts reagiert. Jetzt wird überlegt, die Liste der Länder zu erweitern, die sich den Sanktionen der Vereinigten Staaten und der EU gegen Russland angeschlossen haben – Montenegro, Albanien, Island, Norwegen, Liechtenstein, die Ukraine und Georgien.

Die EU-Kommission hat gleichzeitig ihr Programm zur Stützung der Preise vom vergangenen Jahr bis Ende Juni 2016 verlängert. Gefördert wird, wenn das überschüssige Obst und Gemüse bei wohltätigen Organisationen landet – oder auf dem Kompost. Es geht um zum Beispiel um Äpfel und Birnen, Zitrusfrüchte, Karotten, Gurken, Paprika, Tomaten, Kiwis, Pflaumen und Tafeltrauben.

su mit dpa