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Venezolanischer Oppositionspolitiker: vom Gefängnis in den Hausarrest

Ceballos wegen gesundheitlicher Probleme entlassen. Unterversorgung der Bevölkerung hält an

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Venezolanischer Oppositionspolitiker: vom Gefängnis in den Hausarrest

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Der prominente venezolanische Oppositionspolitiker Daniel Ceballos ist nach eineinhalb Jahren im Gefängnis in Hausarrest verlegt worden. “Wir können die Hoffnung nicht aufgeben”, rief er hinter einem Fenster eines Hauses in Caracas den Fernsehkameras zu und nahm seine Kinder in den Arm.

Meinung

Wenn meine Gefangenschaft dazu führt, dass das Volk aufwacht, dann hat es sich gelohnt

Eine Hoffnung, die seine offensichtlich verzweifelte Frau nicht zu teilen scheint: “Ich kann der Regierung nicht dafür danken”, sagte sie. Die Regierung tue jetzt, was sie schon von Anfang an hätte tun sollen.

Gemeinsam mit dem Oppositionsführer Leopoldo López war Ceballos im Gefängnis in den Hungerstreik getreten. Seine Entlassung verdankt er vermutlich Nieren- und Magenproblemen in Folge des Hungerstreiks.

Den Hausarrest musste Ceballos in der Hauptstadt antreten. In seine 900 Kilometer entfernte Heimat San Cristobal, wo er einst Bürgermeister war, darf er bisher nicht zurück.

Ceballos war verhaftet worden, weil er regierungskritische Demonstrationen unterstützt hatte. Diese waren 2014 in gewaltsamen Ausschreitungen ausgeartet. Aus dem Gefängnis hatte der Politiker an den Kongresswahlen teilgenommen und auch gewonnen, durfte den öffentlichen Posten jedoch nicht antreten. Seine Haft kommentierte er einmal mit den Worten: “Wenn meine
Gefangenschaft dazu führt, dass das Volk aufwacht, damit am Ende
Venezuela wieder aufsteht, dann hat es sich gelohnt”.

Plünderungen und Mangelversorgung

Unterdessen kämpft auch die Bevölkerung weiter gegen den Hunger. Fotografieren darf man die Mangelwirtschaft offiziell nicht, aber die Wirtschaftskrise Venezuelas ist chronisch. 56 Supermärkte sollen 2015 bereits geplündert worden sein. In einigen Supermärkten stapeln sich unnütze Güter, das Wesentliche ist aber ausverkauft. Eine stabile Versorgung kann die sozialistische Regierung von Präsident Nicolás Maduro, der sich als politischer Erbe des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez sieht, nicht mehr gewährleisten.

Mit Ceballos Entlassung könnte die Regierung auch darauf spekulieren, die Opposition in dem Krisenland zu schwächen. Tag der Entscheidung für Maduros Regierung und wohl auch für Ceballos ist der 6. Dezember, wenn die Bevölkerung ein neues Parlament wählen soll.