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Wettlauf mit dem Regen: Toxikologische Untersuchungen nach Chemieunglück in Tianjin

Nach den schweren Explosionen in einem Hafenlager der chinesischen Stadt Tianjin sollen nun Notfalleinsatzkräfte mit Spezialgerät klären, welche

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Wettlauf mit dem Regen: Toxikologische Untersuchungen nach Chemieunglück in Tianjin

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Nach den schweren Explosionen in einem Hafenlager der chinesischen Stadt Tianjin sollen nun Notfalleinsatzkräfte mit Spezialgerät klären, welche Chemikalien rund um den Krater am Unglücksort ausgetreten sind. Ziel ist, möglicherweise giftigen Substanzen zu binden oder zu neutralisieren, bevor es regnet und toxische Gase entstehen könnten.

Der chinesische Generalstaatsanwalt will nun prüfen, ob illegale Praktiken wie Machtmissbrauch oder Amtspflichtverletzung zu der Katastrophe führten. Im ganzen Land wurden unterdessen verschärfte Sicherheitsinspektionen angeordnet. Staats- und Parteichef Xi Jinping sagte, China müsse “äußerst tiefgreifende Lehren ziehen, die mit Blut bezahlt wurden”. Premier Li Keqiang besuchte am Sonntag die Unglücksstelle persönlich.

Die Zahl der Todesopfer liegt inzwischen bei über 110, mehr als 700 Menschen werden in Krankenhäusern behandelt. 95 Personen werden noch vermisst, die meisten davon Feuerwehrleute. Noch am Samstag war es zu weiteren Explosionen gekommen.

Nicht wissend, welche Chemikalien in den Hallen lagerten, hatten sie das Unglück mit den Löscharbeiten des ersten Brandes möglicherweise beschleunigt. Wasser kann bei einigen Chemikalien explosive Reaktionen auslösen.

Einigen Quellen zufolge befanden sich in dem Lager neben Kaliumnitrat und Ammoniumnitrat auch 700 Tonnen des hochentzündlichen Natriumcyanids – 70 mal mehr als erlaubt. Entsprechende Berichte und Dutzende weitere Webseiten wurden inzwischen aber zensiert, mit der Begründung, sie verbreiteten Gerüchte.

Vor dem Rathaus in Tianjin kam es unterdessen erneut zu tumultartigen Szenen. Hunderte Angehörige vermisster Feuerwehrleute, ebenso wie die übrigen Bewohner der Millionenstadt, fordern Aufklärung, auch über mögliche toxische Folgen. Denn Entwarnung gibt es nach dem Unglück bislang noch nicht.