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Eindrücke aus Bangkok: Explosionen haben Bevölkerung aus "Dämmerzustand" gerissen

euronews-Redakteurin Simona Volta hat mit Sofia Nitti in Bangkok gesprochen. Sie hat die Situation kurz nach der ersten Bombenexplosion am Montag als

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Eindrücke aus Bangkok: Explosionen haben Bevölkerung aus "Dämmerzustand" gerissen

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euronews-Redakteurin Simona Volta hat mit Sofia Nitti in Bangkok gesprochen. Sie hat die Situation kurz nach der ersten Bombenexplosion am Montag als Augenzeugin beobachten können und arbeitet als Journalistin in der thailändischen Hauptstadt.

Meinung

"Die Explosionen werden die ohnehin schwierige Situation sicher nicht besser machen."

euronews: “Wie ist die Stimmung vor Ort?”

Nitti: “Hier im Geschäftsviertel ist es sehr ruhig, fast zu ruhig für einen Dienstag im August. Nur sehr wenige der Händler, die die Straßen normalerweise beleben, sind unterwegs und sie sind nicht so laut wie sonst. Bei den Touristen ist es ähnlich, viele bleiben in ihren Hotels, man sieht in diesem normalerweise sehr belebten Viertel auch wenig Arbeiter. Die Menschen waren geschockt von der ersten Bombe und auch von der zweiten, auch wenn es dabei keine Opfer gab. Sie haben Angst, dass es weitere Attacken gibt.”

euronews: “Haben Sie das Gefühl, dass die Ereignisse schon Auswirkungen auf den Tourismus haben?”

Nitti: “Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob der Tourismus davon betroffen sein wird oder nicht. Aber die Explosionen werden die ohnehin schwierige Situation sicher nicht besser machen. Die Zahlen sind in diesem Sommer nicht gut. Ich habe mit Touristen gesprochen, die ziemlich ängstlich sind. Eine Australierin hat mir zum Beispiel erzählt, dass sie darüber nachdenkt, Bangkok so schnell wie möglich zu verlassen, wenn sie die medizinische Behandlung hinter sich hat, für die sie hergekommen ist.”

euronews: “Was ist mit den Einheimischen? Haben Sie auch mit denen gesprochen? Was sagen die?”

Nitti: “Die Menschen aus Bangkok machen dem Ruf Thailands als “Land des Lächelns” alle Ehre. Auch wenn sie viel Angst haben, sprechen sie darüber mit einem Lachen, selbst wenn sie ein wenig nervös wirken. Vor einiger Zeit war ich dort, wo es die zweite Explosion gab, am Sathorn Pier am Chao-Phraya-Fluss. Eine Frau, die dort Kleidung verkauft, hat mir erzählt, dass sie warten musste, bis die Polizei die Straßen wieder frei machte. Dann hat sie ihren Mann angerufen, damit der sie abholen kann. Sie hat mir auch gesagt, dass sie in letzter Zeit nicht viel verkauft hat und sie jetzt Angst davor hat, zurückzukommen.”

euronews: “Wie reagiert die Militärregierung, die das Land seit Mai 2014 regiert?”

Nitti: “Die Behörden versuchen zu vermeiden, dass Panik ausbricht. Von den Untersuchungen dringt nicht viel nach außen. Die Bereiche, die als Risikogebiet gelten, werden untersucht, das sind Kneipenviertel, Bars, Nachtmärkte oder Busse und Züge. Sicher ist, dass die gestrige und die heutige Bombe die Bevölkerung aus dem Dämmerzustand gerissen haben, der seit dem Militärputsch vor über einem Jahr herrscht, und dass es schwierig wird, die Sorgen und Ängste weiter unter den Teppich zu kehren.”

euronews: “Vielen Dank für das Gespräch.”