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Irak-Krieg: Britischer Labour-Kandidat Corbyn will "Sorry" sagen

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Irak-Krieg: Britischer Labour-Kandidat Corbyn will "Sorry" sagen

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Der britische Labourpolitiker Jeremy Corbyn will sich beim britischen und irakischen Volk für die britische Beteiligung am Irak-Krieg entschuldigen, sollte er kommenden Monat zum Chef der Labour-Party gewählt werden. Das berichtet die Zeitung The Guardian.

In einer Mitteilung gegenüber dem Blatt sagte Corbyn, er wolle sich bei den Briten für die Täuschungen und den Betrug im Vorfeld des Krieges entschuldigen, und beim irakischen Volk für die Leiden, die der Krieg verursacht hat.


Der frühere Labour-Premier Tony Blair hatte den völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak an der Seite von Ex-US-Präsident George W. Bush 2003 geführt. Als Kriegsgrund gaben die Angreifer damals an, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen, was aber nicht der Fall war. Später hieß es dann, man wolle den Irak demokratisieren – ein Argument, mit dem das Image der Demokratie in der arabischen Welt nachhaltig beschädigt wurde. Blair steht wegen der Invasion bis heute in Großbritannien am Pranger.

Corbyn sagte nun im Guradian: “Lasst uns sagen, dass wir nie wieder unsere Armee unnötig unter Feuer setzen und dass wir nie wieder das Ansehen unseres Landes in der Welt einem Risiko aussetzen”. Labour solle nie wieder solch einen großen Fehler begehen und wissentlich die Vereinten Nationen sowie internationales Recht missachten.

Seit einer Woche läuft die Wahl zum neuen Parteichef der britischen Sozialdemokraten. Am 12. September soll der Sieger bekanntgegeben werden. Der bisherige Labour-Chef Ed Miliband war nach der Niederlage bei der Parlamentswahl zurückgetreten.Neben Corbyn treten mit Liz Kendall, Andy Burnham und Yvette Cooper drei gemäßigte Kandidaten an. Cooper, die 2003 für den Krieg stimmte, sagt inzwischen, dies sei ein Fehler gewesen, aus dem man Lehren ziehen müsse.

Weder Blair noch Miliband haben sich für die Labour-Beteiligung am Krieg entschuldigt, Blair teilte lediglich mit, er bedauere den Verlust von Leben. Corbyn sagte, Blair sollte sich in einem Kriegsverbrecherprozess verantworten müssen, wenn die Chilcot Inquiry, die den Krieg aufarbeitet, zu dem Ergebnis komme, dass er das Völkerrecht gebrochen habe.