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Prachtkutsche und Rosenblätter: Streit um Prunkbeisetzung von mutmaßlichem Mafiaboss

Es war die Beisetzung des Jahres in Italien: Die Kapelle spielt das Lied aus dem Film “Der Pate”, aus dem Hubschrauber regnet es Rosenblätter, für

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Prachtkutsche und Rosenblätter: Streit um Prunkbeisetzung von mutmaßlichem Mafiaboss

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Es war die Beisetzung des Jahres in Italien: Die Kapelle spielt das Lied aus dem Film “Der Pate”, aus dem Hubschrauber regnet es Rosenblätter, für den Sarg eine goldverzierte Kutsche mit sechs Pferden.

Meinung

Wenn er ein Mafiaboss war, warum saß er dann nicht im Gefängnis?

Der Verblichene allerdings war kein Filmstar oder Spitzenpolitiker, der ein Staatsbegräbnis verdient hätte, sondern Vittorio Casamonica, für Strafermittler der Boss einer römischen Mafiabande – wenn auch nie verurteilt.

Dieser pompöse Umzug durch die Hauptstadt Rom hat viele entsetzt: Nun aber will davon keiner etwas gewusst haben, was italienische Medien inzwischen stark bezweifeln.

Sie führen zum Beispiel an, dass der Trauerzug mit der Kutsche und an die 250 Autos zwanzig Kilometer durch die Stadt gefahren sei.

Der Justiz, so die Berichte weiter, sei der Termin bekannt gewesen, da Richter einigen Familienmitgliedern unter Hausarrest die Teilnahme erlauben mussten. Die Polizei sei darüber ebenfalls informiert gewesen.

Pfarrer Giancarlo Manieri sagt aber gleichfalls, er habe vorher nicht gewusst, wen er da beisetze. Er habe ja auch nicht fünfhundert Trauergäste aussperren können.

Und wenn der Verstorbene wirklich ein Mafiaboss gewesen sei, so der Pfarrer, wenn er all das getan habe, was man ihm vorwerfe – warum habe er dann nicht im Gefängnis gesessen?

Auch auf ihrer Webseite verteidigt sich die Kirche, bei der demnach per Mail viele Fragen, aber auch Beleidigungen eingegangen sind.

Der Verblichene habe Rom erobert, auch das Paradies werde er nun erobern, gaben ihm seine Freunde und Verwandten auf einem großen Transparent über dem Eingang zur Kirche mit auf den Weg.

Ein anderes Transparent preist ihn als den “König von Rom”.

Für die politisch Verantwortlichen ist es dagegen jetzt die Hölle: Sie suchen krampfhaft nach Erklärungen, wie es zu der prunkvollen Mafiaschau kommen konnte.

Eine Konsequenz haben sie sich schon überlegt: Dem Piloten des Rosenblätterhubschraubers wurde sein Flugschein entzogen.

Casamonica starb mit 65 Jahren an Krebs. Die Justiz vermutet in ihm den Boss einer Verbrecherbande, die vor allem in den südlichen und westlichen Randgebieten der italienischen Hauptstadt aktiv ist. Er wurde öfters festgenommen, aber nie verurteilt.

Auch sein Neffe Luciano Casamonica hat sich zu Wort gemeldet: Man sei keine Mafiafamilie, man liebe eben nur Festlichkeiten in großem Stil – so habe das auch sein Onkel immer gehandhabt.

So würde man für eine Hochzeit eben den Rolls-Royce nehmen: Das habe mit Mafia aber nichts zu tun. Die Casamonicas seien keine schlechten Menschen.

Beisetzungen liefen bei ihnen eben so, sagt Marco Spinelli, ein anderer Neffe. Der Onkel habe die Pferde gewollt, also gebe es Pferde.

Die Musik aus dem “Paten” sei ein fröhliches Lied, das er gemocht habe. Man habe sich mit allem nach seinem letzten Willen gerichtet.