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Doppelmord vor laufender Kamera

Im amerikanischen Bundesstaat Virginia wurden die Reporterin Alison Parker und der Kameramann Adam Ward von einem früheren Mitarbeiter ihres

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Doppelmord vor laufender Kamera

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Im amerikanischen Bundesstaat Virginia wurden die Reporterin Alison Parker und der Kameramann Adam Ward von einem früheren Mitarbeiter ihres Fernsehsenders WDBJ7 während eines Live-Interviews in einem Einkaufszentrum erschossen. Für die Reporterin eines Lokalsenders sollte das Interview der Abschied vom Frühstücksfernsehen sein. Ihre Interviewpartnerin wurde mit einer Schusswunde im Rücken ins Krankenhaus eingeliefert.

Der 41-Jährige hat die Tat gefilmt und in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Dem Sender ABC faxte er eine 23-seitige Erklärung. Sie wurde den Behörden übergeben.

Der Schütze, der später als Vester Lee Flanagan identifiziert wurde, flüchtete in einem Auto auf der Interstate 66. Noch während der Verfolgung durch die Polizei schoss er auf sich selbst und starb wenig später im Krankenhaus an den Verletzungen.

Flanagan war unter dem Namen Bryce Williams früher selbst als Reporter für den Sender tätig, verließ diesen Kollegen zufolge aber vor ein paar Jahren im Unfrieden. Einen früheren Arbeitgeber in Florida hatte der 41-jährige verklagt, weil ein Redakteur ihn und andere Schwarze als “Affen” bezeichnet habe. Der getöteten Journalistin, die als “Rockstar” des Lokalsenders WDBJ7 galt, warf er Rassismus vor.

Persönliche Animositäten könnten ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Dies geht aus dem Fax hervor. In diesem habe Flanagan seine Tat mit dem Massaker in Charleston im Juni in Verbindung gebracht. Damals wurden neun Afro-Amerikaner erschossen. Außerdem habe er sich darüber beklagt, wegen seiner Hautfarbe und seiner Homosexualität häufiger diskriminiert worden zu sei.

Präsident Obama äußerte sich umgehend zu der Tat. Er merkte kritisch an, die Zahl derjenigen, die jährlich in Amerika durch Schusswaffen getötet würden, übersteige die Zahl derjenigen, die terroristischen Anschlägen zum Opfer fielen. Es bräche ihm jedes Mal das Herz von solchen Taten hören zu müssen, so Obama.

Auf die Tat folgten außerdem zahlreiche Reaktionen von Kollegen des Senders sowie des Lebensgefährten von Alison Parker Christ Hurst:

Erneut stehen nach der Tat die Waffengesetze der USA in der öffentlichen Diskussion. Für Europäer mögen solche Debatten eher unwirklich scheinen. In den USA aber herrscht in der Frage des privaten Waffenbesitzes eine gänzlich andere Ansicht und dies aus historischen und kulturellen Gründen. Politisch ist das Thema Waffenbesitz schon lange vergiftet. Strengere Waffengesetze werden erfolgreich durch die Waffenlobby verhindert. Und das, obschon die Öffentlichkeit mehrheitlich dafür ist, Waffenkäufer vor dem Erwerb genauer unter die Lupe zu nehmen.

Präsident Obama hat bereits häufiger deutliche Worte dafür gefunden.

Nach dem Anschlag in Charleston wandte er sich an das amerikanische Volk und ließ seine Unzufriedenheit deutlich spüren:
“Irgendwann müssen wir uns als Land einmal der Tatsache bewusst werden, dass diese Art der Massengewalt in anderen zivilisierten Ländern nicht vorkommt. Es passiert auch nirgendwo in dieser Häufigkeit.”

Der US-Einzelhändler Wal-Mart, der größte Verkäufer von Schusswaffen und Munition in den USA, hat angekündigt, keine Sturmgewehre mehr verkaufen zu wollen. Dies sagte ein Sprecher, verneite allerdings eine Zusammenhang zu den jüngsten Ereignissen.