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Derbent: 2000 Jahre multikultureller Geschichte in einer Stadt

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Derbent: 2000 Jahre multikultureller Geschichte in einer Stadt

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Denis Loctier, Euronews: “Derbent, die älteste und südlichste Stadt Russlands, feiert 2000. Geburtstag. Die Einwohner von Dagestan zelebrieren ihr

Denis Loctier, Euronews:
“Derbent, die älteste und südlichste Stadt Russlands, feiert 2000. Geburtstag. Die Einwohner von Dagestan zelebrieren ihr kulturelles und historisches Erbe, abseits von sozialen Problemen und bewaffnetem Extremismus.”

Diese Steine bildeten einst ein Haus, in dem ein Zar wohnte. Als Peter der Große Derbent während seines Persien-Feldzugs eroberte, weigerte er sich in einem reichen Haus zu wohnen. Stattdessen schlief er in dieser einfachen Hütte, die später ein lokales Denkmal wurde.

Patimat Gamzatova, Kunsthistoriker: “Im 20. Jahrhundert erinnerte man sich nicht mehr daran. Unter den Sowjets war das mit religiösen und fürstlichen Denkmälern oft der Fall. Das Haus wurde erst ein Schuppen, dann ein Geschäft, eine Kantine und schließlich die Unterkunft eines einfachen Bürgers, der keine Ahnung von der Geschichte des Gebäudes hatte. Die Restaurierung ist wichtig. Sie hilft uns Peter den Großen, seine Visionen von Fortschritt und Modernisierung zu verstehen.”

Eine Stiftung half das Gebäude zu finden und zu restaurieren. Es wurde zum Zentrum eines Museumskomplexes, in dem Kunstausstellungen, kulturelle Events und kostenlose Kreativkurse für Kinder stattfinden.

Polina Filippova, Generaldirektorin der PERI Stiftung:
“Junge Menschen schließen sich weltweit dem Extremismus an. Das ist ein großes Problem. Hier ist es besonders groß. Museen und historische Denkmäler werden Erschreckend nah an unseren Grenzen zerstört. Für uns ist es wichtig zu zeigen, dass es andere Wege gibt, andere Visionen einer offenen, toleranten und multikulturellen Welt. Unser Zentrum soll dazu beitragen.”

Derbent fasziniert viele Archäologen. Sie glauben, dass hier vor 5000 Jahren verschiedene Stämme gesiedelt haben. Zahlreiche Artefakte zeigen, wie die aktuelle Stadt, die vor 2000 Jahren gegründet wurde, in der Geschichte von einem Eroberer zum nächsten überging.

Murtazali Gadjiev, Chef der Archäologieabteilung, Institut für Geschichte, Archäologie und Ethnographie, Dagestan Wissenschaftszentrum der Russischen Akademie der Wissenschaften:
“Derbent gehörte zu verschiedenen Ländern in der Antike und dem Mittelalter. Entweder waren es lokale Mächte, wie das kaukasische Albanien, oder große Reiche des Mittelalters, wie das arabische Kalifat, der Iran oder die Türkei.”

Als strategischer Punkt zwischen dem Kaspischen Meer und dem Kaukasus wurde Derbent ein kulturelles Zentrum, der für sein friedliches Miteinander der historischen Gemeinschaften bekannt ist.

Ali Ibragimov, Direktor des Staatlichen Historischen, Architektonischen und Kunst Museumsreservats Derbent:
“Hier ist die Juma Moschee mit ihren 700 Jahre alten Platanen. Sie ist eine der ältesten Moscheen weltweit. Nicht weit von hier steht ein christlicher Tempel aus dem 19. Jahrhundert und im europäischen Teil der Stadt stehen eine Synagoge und eine orthodoxe Kirche. In Derbent leben Anhänger verschiedener Religionen und sie haben ihre jeweiligen Gebetsstätten. Unsere Stadt besteht aus vielen Ethnien, die im letzten Jahrhundert zu einer großen Familie zusammengewachsen sind und zum Glück leben wir hier gut!”