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Flüchtlingsexperte: UN in der Krise völlig nutzlos

Die Flüchtlingskrise ist eine Herausforderungen für ganz Europa. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Viele stammen aus Syrien. Sie haben

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Flüchtlingsexperte: UN in der Krise völlig nutzlos

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Die Flüchtlingskrise ist eine Herausforderungen für ganz Europa. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Viele stammen aus Syrien. Sie haben ihre Heimat verlassen, um dem Bürgerkrieg zu entkommen. Die europäische Politik sucht noch nach Antworten. Es gibt keine gemeinsame Linie unter den EU-Staaten, wie mit der großen Zahl von Flüchtlingen umgegangen werden soll. Außerdem gibt es Streit darüber, welches Land wieviele Menschen aufnehmen kann.

Dabei gerät leicht aus dem Blick, wieviel die Nachbarländer Syriens bereits geleistet haben. Die Türkei, der Libanon und Jordanien. Welche Spannungen müssen diese Länder aushalten? Mit welchen Probleme müssen sie kämpfen? Und welche Folgen wird der Tod eines drei Jahre alten Flüchtlingskindes an der Küste der Türkei haben?
Adal Gizem, euronews: Wir sprechen mit Metin Corabatir über die Flüchtlingskrise. Er ist Präsident und Mitbegründer von IGAM, einem Forschungszentrum zum Thema Asyl und Migration in Ankara. Die Flüchtlingskrise ist eine der größten humanitären Krisen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Herr Corabatir, willkommen bei euronews. Das Foto des kleinen syrischen Jungen, der tot am Strand aufgefunden wurde, hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Glauben Sie, dass die Behörden nun konkrete Maßnahmen ergreifen werden?” Metin Corabatir: “Das hoffe ich. Dem Entsetzen müssen Taten folgen. Den Worten der Politiker müssen Taten folgen, um eine Lösung zu finden, und zwar eine dauerhafte Lösung – unter Berücksichtigung der Menschenrechte und der speziellen Rechte der Flüchtlinge. Hierzu ist es notwendig, dass auf internationaler Ebene zusammengearbeitet wird.

Adal Gizem: “Sie waren lange beim Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen, UNHCR. Was sollte Europa, was der Rest der Welt tun? Gibt es eine Lösung für diese Flüchtlingskrise?” Metin Corabatir: Im Moment liegt die große Last auf den Schultern der syrischen Nachbarländer, hauptsächlich betroffen sind die Türkei, der Libanon und Jordanien. In der Türkei zum Beispiel sind zwei Millionen Flüchtlinge aus Syrien, und das schon seit geraumer Zeit. Da entstehen wirtschaftliche und soziale Probleme, Spannungen. Das ist eine enorme Last, die die Türkei da trägt. Sogar ein reiches Land wäre einer solchen Zahl nicht gewachsen. Wenn wir uns Zahlen in Europa anschauen, Großbritannien hat zum Beispiel gerade mal 216 syrische Asylanträge angenommen. Diese Zahl ist vielleicht kein gutes Beispiel. …Insgesamt wurden dem Bericht der Vereinten Nationen für 2014 zufolge in der Europäischen Union 890.000 Asylanträge eingereicht. Das ist die zweithöchste Zahl seit 1990. Dass die Türkei eine schwere Last trägt, sollte von den anderen bei der Lösungsfindung berücksichtigt werden. Um Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen, müssen sich aber erst einmal alle an einen Tisch setzen und an einem Strang ziehen.

Adal Gizem
“Die Zahl der Flüchtlinge steigt immer weiter an. Werden die Europäer sich unter dem Druck dieser steigenden Zahl an Flüchtlingen denn nun eventuell verstärkt für eine Lösung im Syrienkonflikt einsetzen?” Metin Corabatir: “Der UN-Sicherheitsrat ist auch in einer solchen Situation dazu da, für Frieden zu sorgen. Bisher hat er nichts getan. Er hat wieder einmal gezeigt, dass er komplett nutzlos ist, ebenso wie das früher der Fall war. Der politische Aspekt dieser Tragödie ist am wichtigsten. Er hat die Flüchtlingskrise ausgelöst. Leider hat der Westen, der Sicherheitsrat, Russland, China, leider haben sie sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können, oder vielleicht wollen sie das gar nicht. Nach dem tragischen Tod des kleinen Jungen wäre es an der Zeit, dass die Politiker mehr tun, als nur vor den Kameras zu heulen. Und zwar sollte es dabei konkret um die humanitäre Seite des Konflikts gehen, um die Menschenrechte und um die Rechte der Flüchtlinge.”