Eilmeldung

Eilmeldung

Automarkt Iran: Goldesel mit Ladehemmung

Nur keine Chance verpassen: Seit knapp zwei Monaten geben sich in Teheran Minister und prominente Industrievertreter die Klinke in die Hand. Seit der

Sie lesen gerade:

Automarkt Iran: Goldesel mit Ladehemmung

Schriftgrösse Aa Aa

Nur keine Chance verpassen: Seit knapp zwei Monaten geben sich in Teheran Minister und prominente Industrievertreter die Klinke in die Hand. Seit der Unterzeichnung des Atomvertrags Mitte Juli und dem Ende von mehr als drei Jahrzehnten Embargo gilt vor allem der Automarkt im Iran als neue Goldgrube. Der Sektor ist im Land Nummer zwei nach der Ölindustrie mit mehr als einer Million Mitarbeitern und einem riesigen technischen Nachholbedarf.

Meinung

Wir suchen nach einem leistungsstarken vierten Partner in Europa, diesmal nicht in Frankreich

So gilt der Iran als größter Automobilhersteller im Nahen und Mittleren Osten und zählte mit seinen Autos der Staatsfirma SAIPA – zur Zeit im Privatisierungsprozess – und Iran Khodro vor den Sanktionen zu den zwölf führenden Massenherstellern der Welt. In den kommenden Jahren soll sich die Zahl der hergestellten Fahrzeuge verdreifachen, von heute 900.000 (2014) – das sind 40 Prozent weniger als 2011.

Saeed Leilaz, Analyst:

“Blitzartig ändert sich da nichts. Ich weiß, dass es zwischen Peugeot und Iran Khodro wirklich konstruktive Verhandlungen gibt. Andere iranische Hersteller sprechen mit Renault. Wir können aber nur neue Produkte dieser Unternehmen importieren. Keiner kommt mit Investitionen in den Iran.”

Europas Autohersteller stehen Schlange – Iran war traditionell mit Peugeot verbandelt – Frankreichs harte Haltung in den Atomgesprächen gilt im neuen Wettlauf aber nicht gerade als förderlich.

Hashem Yakke-Zare; Vorstandschef von Iran Khodro, Hersteller Nummer eins:

“Wie Sie wissen, kooperieren wir mit Renault, Peugeot und Suzuki. Daneben suchen wir nach einem leistungsstarken vierten Partner in Europa, diesmal nicht in Frankreich.”

Peugeot müsse zur Kenntnis nehmen, dass es sich für das frühere Verhalten verantworten muss. “Der französische Hersteller wird nicht unser Hauptpartner sein.» 2011 hatte sich der Konzern aus dem Iran zurückgezogen. In die Lücke will nun Renault springen. Nach der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen stehen dem Konzern gut 500 Millionen Euro zur Verfügung, um in Iran zu investieren. Renault war in der härtesten Sanktionszeit von 2011 bis 2015 präsent geblieben.

Iraner lieben Autos, selbst inländische Fahrzeuge mit all ihren Problemen. Und erst ausländische Luxus-Autos – obwohl hohe Zölle die Preise teilweise verdoppeln. In kaum einem anderen Land ist Energie so billig. Noch zu Beginn des Jahres kostete etwa ein Liter Diesel an den Zapfsäulen gerade mal neun Cent.

Aber erst mal warten alle ab, dass die Zeiten besser und billiger werden. “Kauft bloß keine brandneuen Autos” heißt eine Kampagne.

Arash Rahbar; Autojournalist:

“Das ging los, als der Markt schon eingebrochen war und ritt auf der Welle, anstatt sie zu verursachen. Wieso auch immer – im Moment wollen die Kunden einfach nicht kaufen.”

Das Zaudern ist so weit verbreitet, dass die Regierung Kredite an Hersteller vergibt, um sie durch die Durststrecke zu bringen.

Von den Europäern würde vor allem Peugeot seine Erfolgsgeschichte gerne fortsetzen – mit bis zu 450.000 verkauften Lizenz-Modellen pro Jahr. Bis der Druck des damaligen Kooperationspartners General Motors zu groß wurde.

Iran Khodro baut seither in Eigenregie Fahrzeuge auf Peugeot-Basis weiter, was von PSA Peugeot Citroën geduldet wird.

Javad Montazeri, euronews -Teheran:

“Trotz aller Herausforderungen – Irans Autoindustrie könnte nach dem Ende der Sanktionen, mit der Unterstützung von Präsident Hassan Rouhani und mit weltweit bekannten Autofirmen als Partner, wieder die Kurve kriegen – zu einem bedeutenden Produzenten und als riesiger Markt für ausländische Produkte.”

su mit Reuters