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Atilla Sandikli: "PKK hat Friedensprozess missbraucht"

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Von Euronews
Atilla Sandikli: "PKK hat Friedensprozess missbraucht"

<p>Um auf die Lage in Cizre aufmerksam zu machen, haben die beiden Vorsitzenden der türkischen Oppositionspartei <span class="caps">HDP</span>, Figen Yüksekdag und Selahattin Demirtas, sowie weitere Abgeordnete einen Marsch auf die südosttürkische Stadt begonnen. Am Freitag hatten die türkischen Behörden in Cizre, wo zahlreiche Kurden leben, eine Ausgangssperre verhängt. Demirtas sprach von einer Blockade.</p> <blockquote class="twitter-tweet" lang="fr"><p lang="de" dir="ltr">Der Bürgerkrieg hat in <a href="https://twitter.com/hashtag/Cizre?src=hash">#Cizre</a> schon begonnen. Wenn die EU spät reagiert, werden wieder Hunderte Menschen sterben. <a href="https://t.co/8Aw3F9rJiB">https://t.co/8Aw3F9rJiB</a></p>— Berîvan Aslan (@Berivan_Aslan_) <a href="https://twitter.com/Berivan_Aslan_/status/641861208459620352">10 Septembre 2015</a></blockquote> <script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> <p>Trotz der Ausgangssperre zeigten sich in Cizre in der Nacht bewaffnete Männer auf den Straßen. Sie sollen Anhänger der <span class="caps">PKK</span> sein, die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Nach Angaben des Innenministeriums wurden bei Gefechten in der Stadt in den vergangenen Tagen mehr als 30 Menschen getötet.</p> <p>Seit dem Ende des Waffenstillstandes im Juli hat es im Konflikt zwischen der <span class="caps">PKK</span> und der türkischen Regierung zahlreiche Tote auf beiden Seiten gegeben. Der <span class="caps">PKK</span> werden mehrere Anschläge zugerechnet, die Armee bekämpft Stellungen der Gruppierung mit Luftangriffen und Bodentruppen.</p> <p>In der Provinz Hatay protestierten Demonstranten gegen Terror und Gewalt.</p> <blockquote class="twitter-tweet" lang="fr"><p lang="de" dir="ltr">Krieg, Terror, Lynchstimmung: Die Türkei droht in Gewalt und Hass zu versinken. <a href="https://twitter.com/hashtag/Cizre?src=hash">#Cizre</a> <a href="https://twitter.com/welt"><code>welt</a> <a href="http://t.co/srJwO0bPAL">http://t.co/srJwO0bPAL</a> <a href="http://t.co/hWbSQlMZEQ">pic.twitter.com/hWbSQlMZEQ</a></p>&mdash; Deniz Yücel (</code>Besser_Deniz) <a href="https://twitter.com/Besser_Deniz/status/641287118002749440">8 Septembre 2015</a></blockquote> <script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> <p><strong>Experteninterview: “Die <span class="caps">PKK</span> hat den Friedensprozess missbraucht.”</strong></p> <p>Der Friedensprozess zwischen der türkischen Regierung und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterpartei_Kurdistans">der <span class="caps">PKK</span></a>, der vor zwei Jahren begann, war eines der wichtigsten politischen Projekte der vergangenen Zeit. Nach dem letzten Waffenstillstand hörte die Gewalt so gut wie auf. Doch plötzlich ist alles anders. Der brutale Konflikt ist wieder da. Was ist geschehen? Darüber haben wir mit dem Terrorexperten und ehemaligen Offizier <a href="http://www.bilgesam.org/yazar/81/-prof--dr--atilla-sandikli/">Atilla Sandikli vom Think Tank Bilgesam</a> gesprochen. </p> <p><strong>Bahtiyar Küçük, euronews</strong><br /> Nach den Wahlen vom 7. Juli ist die Gewalt eskaliert, der Friedensprozess ist am Ende. Was ist in dieser kurzen Zeit passiert?</p> <p><strong>Atilla Sandıklı</strong><br /> Während dieses Friedensprozesses hat der Staat enorme demokratische und soziokulturelle Fortschritte gemacht. Gemäß der Vereinbarung beider Seiten hätte die Terrororganisation <span class="caps">PKK</span> von Beginn des Friedensprozesses an ihre bewaffneten Kräfte aus den Bergen ins Ausland verlegen müssen. Aber das hat sie nicht getan. Diese Terroristen sind bewaffnet in der Türkei geblieben. Noch dazu hat die <span class="caps">PKK</span> ihre neue Struktur in den Städten gestärkt, nämlich die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Koma_Civak%C3%AAn_Kurdistan">Untergrundbewegung <span class="caps">KCK</span>.</a> Durch sie gelangten Waffen und Sprengstoffe aus dem Ausland in die Türkei.</p> <p><strong>euronews</strong><br /> Zum ersten Mal in der Geschichte ist mit der <span class="caps">HDP</span> eine prokurdische Partei im Parlament und hat genau so viele Sitze wie die türkischen Nationalisten. Warum hat die <span class="caps">PKK</span> ihre Terroraktivitäten trotzdem wieder aufgenommen?</p> <p><strong>Atilla Sandıklı</strong><br /> Die türkische Regierung wollte die Regionalverwaltungen stärken, so, wie es den europäischen Vorgaben zu regionalen Verwaltungen entspricht. Wenn man sich aber anschaut, welche Ziele die <span class="caps">PKK</span> mit der <span class="caps">KCK</span> verfolgt, dann wird klar, dass sie eine eigene Struktur von Sicherheitskräften anstreben, den Aufbau eines eigenen, autonomen Staats und darüber hinaus eine föderale Struktur, an der sich auch die Kurden anderer Regionen beteiligen sollen. Um diese autonome Region zu schaffen, hat die <span class="caps">PKK</span> dem Volk mit verschiedenen Konflikten gedroht. Und im Moment treibt sie diese Konflikte immer weiter voran.</p> <p><strong>euronews</strong><br /> Die Türkei kämpft gleichzeitig gegen die <span class="caps">PKK</span> und gegen den Islamischen Staat. Die Region ist sehr instabil. Wie interpretieren Sie die Eskalation der Spannungen zwischen der Türkei und der <span class="caps">PKK</span> im Rahmen der aktuellen Krise?</p> <p><strong>Atilla Sandıklı</strong><br /> Die Türkei ist nicht der einzige Staat, der gegen den Islamischen Staat kämpft. Auch die kurdische <span class="caps">PYD</span> in Syrien kämpft gegen diese Terrororganisation. Der Vormarsch der IS-Terroristen in Syrien und dem Irak hat der <span class="caps">PKK</span> international eine gewisse Legitimität verschafft. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Partiya_Yekit%C3%AEya_Demokrat">Die <span class="caps">PYD</span></a> hat in Nordsyrien die notwendigen Voraussetzung entstehen sehen, um einen autonomen Staat zu schaffen. Somit musste die <span class="caps">KCK</span> nur noch die Türkei angreifen. Deshalb hat sie ihre Angriffe in letzter Zeit verstärkt.</p> <p><strong>euronews</strong><br /> euronews: In Großbritannien hat die <span class="caps">IRA</span>, in Spanien die <span class="caps">ETA</span> die Waffen niedergelegt. Kann diese Krise in der Türkei nicht auf politischem Wege gelöst werden?</p> <p><strong>Atilla Sandıklı</strong><br /> Ab 2013 dachte man, man könne im Rahmen des Friedensprozesses eine politische Lösung für dieses Problem finden. Doch selbst in diesem Umfeld, in dem der Frieden vorbereitet und aufrechterhalten werden sollte, bereitete sich die <span class="caps">PKK</span> weiter auf den Krieg vor. Sie schickte bewaffnete Truppe in die Städte, wo eine militärische Struktur entstand. Während all dem gab es keine militärische Aktion der türkischen Regierung. Sie wollte den Friedensprozess nicht gefährden. Heute sieht man deutlich, dass die <span class="caps">PKK</span> den Prozess missbraucht und den Weg für neue Konflikte geebnet hat.</p> <p><strong>euronews</strong><br /> Wo werden diese Gewalt und Spannungen enden?</p> <p><strong>Atilla Sandıklı</strong><br /> Wegen der durchgeführten Einsätze und aufgrund der gesteigerten Sicherheitsmaßnahmen und zusätzlichen Sicherheitskräfte, die in die Region entsandt worden sind, werden wir recht bald mehr Opfer auf seiten der <span class="caps">PKK</span> sehen. Die Zahl ihrer logistischen Einrichtungen wird sich verringern, ihre Strukturen in den Städten werden nach und nach zusammenfallen. So wird sie im Laufe der Zeit ihre Handlungsmöglichkeit verlieren.</p> <a class="twitter-timeline" href="https://twitter.com/AtillaSandikli" data-widget-id="641960714022858753">Tweets von @AtillaSandikli </a> <script>!function(d,s,id){var js,fjs=d.getElementsByTagName(s)<sup class="footnote"><a href="#fn121425201063786fcee26f8">0</a></sup>,p=/^http:/.test(d.location)?‘http’:‘https’;if(!d.getElementById(id)){js=d.createElement(s);js.id=id;js.src=p+”://platform.twitter.com/widgets.js”;fjs.parentNode.insertBefore(js,fjs);}}(document,“script”,“twitter-wjs”);</script>