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550 Jahre Kasachstan: Ein Vielvölkerstaat feiert die Einheit

Kasachstan will seine alte Geschichte wiederbeleben

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550 Jahre Kasachstan: Ein Vielvölkerstaat feiert die Einheit

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Kasachstan feiert seine Wurzeln: Mit einem Festival in der noch jungen Hauptstadt Astana wird das 550. Jubiläum des Kasachen-Khanates begangen. Die Nachfahren Dschingis Khans gründeten diesen ersten Staat eines gemeinsamen kasachischen Volkes im 15. Jahrhundert. Die Kasachen waren damals eine uneinheitliche Gruppe aus turksprachigen und mongolischen Nomaden, die die weiten eurasischen Steppen durchstreiften. Im 18. Jahrhundert zerbrach das Reich, seine drei Teile wurden dem russischen Zarenreich unterstellt.

Meinung

"Wir seit 20 Jahren energisch nach unseren historischen Wurzeln"

In alten Texten, Bildern und Bräuchen, die im Nationalmuseum des Landes ausgestellt werden, manifestiert sich jene nationale Identität, die Kasachstan derzeit wieder für sich entdecken soll. “Nach dem Zerfall der Sowjetunion waren alle ethnischen Gruppen auf sich selbst gestellt, auch die Kasachen”, sagt Zhambyl Artykbayev, Geschichtswissenschaftler an der Gumilyov Eurasian National University. “Deshalb suchen wir seit 20 Jahren energisch nach unseren historischen Wurzeln.”

Die Suche nach der neuen, alten Identität beschäftigt Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. Das Land unterlag vielfältigen Einflüssen unterschiedlicher Kulturen. Hier, an der Seidenstraße, trafen sich Händler und Reisende aus aller Herren Länder und hinterließen ihre Spuren.

Raumfahrt und Atombomben

Die jüngere Geschichte Kasachstans war vor allem durch die Sowjetunion geprägt. Das Land wurde modernisiert. Hier entstand in den 50er-Jahren das Kosmodrom, ein Weltraumbahnhof, von dem noch heute russische Raketen ins All starten. Aber dennoch litt die Bevölkerung unter der Fremdherrschaft: Eine Hungersnot in den 1930er-Jahren sowie die sowjetischen Atombombentests auf kasachischem Boden hinterlassen bis heute Spuren in der Seele des Landes.

Galt bisher das 1991 als Gründungsjahr des Staates nach seinem Ende als Sowjetrepublik, versuchen kasachische Politiker und Historiker jetzt, dem Land eine jahrhundertelange Geschichte der Einheit zurückzugeben. “In Kasachstan gibt es einen Vorstoß seitens der Politik, seinen Nachbarn zu zeigen, dass das Land nicht erst vor 25 Jahren ein Staat geworden ist”, so Catherine Poujol vom Zentrum für russische und eurasische Studien an der Pariser Sorbonne. Sie sieht in dem Bestreben einen gerechtfertigten Anspruch der Kasachen auf eine gemeinsame Geschichte: “Man kann die Seele eines Volkes nicht töten, die Kultur, die Mentalität. Diese Dinge überdauern politische Probleme, Krisen, Dramen und Kriege.”

Noch bis Ende des Jahres gehen die Feierlichkeiten zum Jubiläum in Kasachstan weiter. Erst danach wird sich zeigen, wie viel nationale Einheit und Identität der quasi alleinherrschende Präsident Nasarbajew dem Land verordnen kann, dessen Bevölkerung bis heute aus weit mehr als einer ethnischen Gruppe besteht.

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